„Ich bin so nord“ – Dora Heldt im Porträt

Eine Begegnung mit der auf Sylt geborenen Bestsellerautorin Dora Heldt, deren neuer Krimi „Wir sind die Guten“ kürzlich erschienen ist.

Hamburg. Dora Heldt ist pünktlich. Überpünktlich. Zu unserem Termin in einem Café, gleich um die Ecke ihrer Wohnung im Herzen von Hamburg, kommt die Erfolgsautorin mehr als fünf Minuten zu früh. Ungewöhnlich für eine Frau, die gewohnt ist, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. „Ich war schon immer so“, lacht die 1961 als Bärbel Schmidt aus Sylt geborene Schriftstellerin, „schon als Kind. Die fünfzehn Minuten, die mein Bruder auch heute noch jeder Mal zu spät kommt, bin ich lieber zu früh.“ Dies habe sie auch in ihren dreißig Berufsjahren im Verlagswesen so gehalten – zunächst als gelernte Buchhändlerin, dann zwei Jahrzehnte lang als Verlagsvertreterin eines Münchner Verlagshauses in ihrem geliebten Norden. „Auch wenn ich wusste, zu welcher Buchhandlung ich fahren musste, bin ich früh gestartet – sicher ist sicher“, sagt Heldt, die ungern auf sich warten lässt.

 

Eine Mischung aus Sicherheit und Lust am regelmäßigen Arbeitsalltag mit Kontakt zu vielen Menschen war es auch, die Dora Heldt erst Anfang dieses Jahres ganz auf ein Leben als freie Schriftstellerin setzen und kündigen ließ. Obwohl doch ihre heiter-hintergründigen Romane wie „Urlaub mit Papa“, „Tante Inge haut ab“ oder „Wind aus West mit starken Böen“ seit mehr zehn Jahren Millionen Leser und vor allem Leserinnen gefunden haben. In diesen Tagen erscheint nach „Böse Leute“ (2017) der zweite Krimi von Heldt: „Wir sind die Guten“: Schauplatz ist – wie könnte es anders sein – ihre Lieblingsinsel Sylt. Und auch das Ermittlerteam um Karl Sönnigsen von der Polizei in Westerland steht wieder im Mittelpunkt des spannenden Geschehens. Sönnigsens Bekannte Helga erhält einen Anruf von einer Freundin: Deren Mieterin Sabine sei spurlos verschwunden. Noch aber ermitteln die Sylter Fahnder im Fall eines unbekannten Toten, der am Fuß des Roten Kliffs gefunden wurde. Die Ermittlungen nehmen einen turbulenten Lauf, als sich herausstellt, dass beide Fälle miteinander zu tun haben.

Dora Heldt beim Gespräch in Hamburg-Winterhude. Foto: Christoph Schumann, 2017
Dora Heldt beim Gespräch in Hamburg-Winterhude. Foto: Christoph Schumann, 2017

Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Warum auch Heldts neues Buch auf Sylt spielt? „Sylt ist einfach meine Insel“, sagt Heldt, die als Pseudonym den Namen ihrer Großmutter gewählt hat. „Dort bin ich aufgewachsen. Dort bin ich mindestens einmal im Monat. Der Norden ist mir vertrauter als jede andere Region in Deutschland. Auf Sylt kenne ich jede Düne, jede Straße, jedes Haus. Ich weiß zum Beispiel, wie lange man von Kampen zum Roten Kliff geht. Mich stört es bei anderen Büchern richtig, wenn Bezüge nicht stimmen oder Kilometerangaben erkennbar falsch sind.“ Ihre Stoffe an anderen Orten als im Norden anzusiedeln, käme für Heldt darum nie in Frage. „Ich habe früher in Bad Godesberg und in Aachen gelebt, aber schon damals hatte ich immer Heimweh nach dem Norden. Ich mag auch heute ungern länger weg sein. Meine südlichste Grenze ist Bremen. Ich bin einfach durch und durch nord.“ Das Wichtigste sei die Nähe zum Wasser: In ihrer Wahlheimat Hamburg sind Elbe und vor allem Alster Heldts Nordsee-Ersatz, an denen sie regelmäßig entlang spaziert, um Weitblick und Horizont zu genießen.

 

Auch wenn Heldt von Erfolg und einer treuen Stammleserschaft verwöhnt ist, steigt vor jeder Neuerscheinung ihre Nervosität. „Denn man weiß ja nie, wie ein neues Buch aufgenommen wird“, sagt die Autorin, die täglich mindestens eine halbe Stunde am Schreibtisch sitzt und schreibt. An einem neuen Roman oder an einer ihrer humorvollen Kolumnen für eine große Frauenzeitschrift. „Die kurzen Texte sind für mich ein guter Ausgleich zu meinen Büchern“, skizziert Heldt den Unterschied. „Sie erfordern einige Stunden Konzentration, während ich an Romanen meist ein gutes Jahr arbeite.“ Bis zu sieben Fassungen entstehen, ehe ein neuer Krimi oder Roman das Publikum erreicht. „Die Schwierigkeit am Unterhaltungsroman ist, genau jenen Ton zu treffen, den jeder Leser verstehen kann“, bringt Heldt ihre Erfahrung auf den Punkt. Wobei man korrigieren müsste: jede Leserin, den Heldt größte Fans sind leselustige Frauen ab etwa 40 Jahren.

 

So heiter ihre Bücher sind, so kritisch verfolgt Dora Heldt viele aktuelle Entwicklungen. Den Bauboom und steigende Immobilienpreise auf „ihrem“ Sylt etwa. Und auch den Wandel auf dem Buchmarkt, der sich immer rasanter drehe. „Es scheint, als ginge nur noch Neues“, so Heldt. „Noch in den 199ern stand ein erfolgreicher Titel nicht selten ein Jahr oder sogar länger auf der Bestenliste. Heute sind Neuerscheinungen aus dem Frühjahr im Sommer oft schon vergessen.“ Und sobald ein Trend erfolgreich sei, sprängen immer mehr Nachahmer auf. Dennoch sei sie selbst nach wie vor eine begeisterte Leserin: „Meine Neugier bleibt. Denn man wartet doch immer auf das eine, tolle Buch, das funkelt und mitreißt.“


Das neue Buch

Dora Heldt: Wir sind die Guten. Kriminalroman. dtv Premium. 512 Seiten, 15,90 Euro.

 

 

 

COPYRIGHT Idee, Text und Foto: Christoph Schumann, Hagenbeckstr. 158d, 22527 Hamburg, Tel. 0171-1907821, http://www.christophschumann.de. Sommer 2017. Bankverbindung: IBAN DE77200505501152814255.

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