Der Rahmen zum Bikerglück – die Kopenhagener Fahrradmanufaktur Coh&Co

Mette Walsted von Coh&Co in der Manufaktur der Kopenhagener Radenthusiasten. Foto: Christoph Schumann, 2020
Mette Walsted von Coh&Co in der Manufaktur der Kopenhagener Radenthusiasten. Foto: Christoph Schumann, 2020

REPORTAGE Kopenhagen Irgendwann hatte Paul Harder Cohen genug. Genug von traditionellen Fahrrädern mit wenig Komfort. Genug von unruhigen Rahmen, die bei schneller Fahrt die Spur nicht halten statt geradeaus zu rollen. Irgendwo in der für ihre vorbildliche Verkehrspolitik so hochgelobten Fahrradhauptstadt Kopenhagen müsste es doch ein Bike geben, das den Bedürfnissen der Mobilität von heute gerecht wird. Monatelang suchte der gebürtige Engländer vergeblich nach „seinem“ Zweirad. Gemeinsam mit seiner Frau Mette Walsted Kristiansen tüftelte der gelernte Bootsbauer, der einige Jahrzehnte mit Jachten gearbeitet hatte, an neuen Konzepten. Dabei experimentierte der heute 54-Jährige mit dem Material, das er vom Schiffsbau am besten kannte und das schon Karl Drais, der Erfinder des Ur-Vaters aller heutigen Räder benutzt hatte: Holz. Das robuste und gleichzeitig flexible, gut formbare Material war die Grundlage erster Rahmen, denen die studierte Grafikdesignerin Mette Walsted nordisch-klare Linien verlieh. Das Ergebnis: Seit rund fünf Jahren bauen die beiden Fahrradnerds ihre Wooca Bikes – aus: Wood und Copenhagen – in Handarbeit in Kleinserie. Die Werkstatt ihrer Coh&Co genannten Manufaktur liegt in einem flachen, alten Industriegebäude im Stadtteil Nyhavn, irgendwo zwischen Containerhafen und dem trendigen Wohn- und Geschäftsviertel, das in den vergangenen Jahren rund dreißig Fahrradminuten nördlich der Kopenhagener Altstadt aus dem Boden geschossen ist.

Leicht - mit tollem Fahrgefühl

„Wir verwenden ausschließlich Esche und Walnuss“, sagt Mette Walsted beim Rundgang zwischen Werkbänken und Montagehalterung. Die einzelnen Holzschichten seien nur wenige Millimeter dick. Eine Schicht Carbon verleiht den Komposit-Rahmen zusätzliche Stabilität. „Etwa dreißig Arbeitsstunden fließen in jedes Rad – das ist echte Handarbeit“, so die 41-jährige Dänin weiter. Je nach Größe wiegt ein Rahmen, den es in einer Herren- und einer Damenausführung gibt, zwischen 1,8 Kilogramm und 2,5 Kilogramm. Fertig montiert nach Kundenwunsch bringt ein Wooca Bike je nach Ausstattung deutlich unter zehn Kilogramm auf die Waage. Wobei Coh&Co alle Komponenten von namhaften Herstellern zukauft. Inzwischen gibt es drei Varianten des Wooca Bikes für den Einsatz in der Stadt, bei Renn- oder Trainingsfahrten sowie das Randonnée für längere Touren oder Radurlaub. Also raus aufs Rad zu einer spontanen Runde im Gewerbegebiet um Coh&Co: Schon mit den ersten Tritten stellt sich ein ungewohntes, gleichzeitig erstaunlich leichtes Fahrgefühl ein. Trotz unebenen Straßenbelags und Fahrbahnschwellen können die dämpfenden Eigenschaften des Holzrahmens schon nach wenigen Metern begeistern. Dabei bleibt mein Testrad mit den schmalen Rennreifen absolut spurstabil.

Die Rennräder von Coh&Co bieten ein ebenso weiches wie stabiles Fahrgefühl – hier Inhaberin Mette Walsted mit ihrem Bike. Foto: Christoph Schumann, 2020
Die Rennräder von Coh&Co bieten ein ebenso weiches wie stabiles Fahrgefühl – hier Inhaberin Mette Walsted mit ihrem Bike. Foto: Christoph Schumann, 2020

Für Fahrradfreaks und Designfans

Die ab etwa 4000 Euro teuren Modelle tragen Namen wie Aage, Gustav und Kitty und sind im Onlineshop sowie in Deutschland in ausgewählten Fachgeschäften erhältlich. Damit sind die außergewöhnlichen Bikes teurer als Stahlräder von der Stange. Auch die aus dem nach wachsendem Material Bambus gefertigen Fahrräder von myBoo in Kiel kosten nur etwa die Hälfte. „Wir geben aber eine lebenslange Garantie auf unsere Rahmen“, sagt Mette Walsted. „Und nach zehn Jahren bieten wir auf Wunsch einen Rückkauf an.“ Damit setzt das inzwischen auf acht MitarbeiterInnen gewachsene Nischenunternehmen auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Dies gilt auch für die neuesten Kreationen der Kopenhagener Enthusiasten: Erik und Anna. Das eine ein Urban Bike, das andere das leichteste Lastenrad der Welt mit hoher Stabilität und dem Beinamen VeloSled. Für beide Räder verwendet Coh&Co das neuartige Rahmenmaterial StoneWeave. Der Kompositwerkstoff aus Carbon- und Steinfasern wird mit recyclebarem Hochleistungsverbundharz verschmolzen. Das innovative Material soll vollständig wiederverwendet werden können. Mette Welsted: „Ein weiterer Vorteil ist, dass die Rahmen wie unsere Holzrahmen auch nicht rosten. Dazu kommt ein Riemenantrieb, sodass unsere Räder besonders für Pendler und täglichen Einsatz konzipiert sind.“ Eine echte Alternative zu Rahmen aus Stahl, Aluminium oder Carbon – nicht nur für Fahrradfreaks und Designfans. Sie brauchen allerdings etwas Geduld: Etwa sechs Monate benötigen die Kopenhagener HandwerkerInnen von Coh&Co zurzeit von der Bestellung bis zur Auslieferung eines maßgeschneiderten Bikes. Handarbeit braucht eben Zeit.