
DÄNEMARKS GROSSER DICHTER Odense (cs). Ob Hans Christian Andersen seine Heimatstadt heute noch wiedererkennen würde? Ich habe da große Zweifel! Das Geburtshaus des unvergessenen Märchendichters in der idyllischen Hans Jensen Stræde, das 1799 erbaut wurde, sieht zwar je nach Blickwinkel fast immer noch so aus wie damals am Anfang des 19. Jahrhunderts. Aber schon seit 1908 ist es Museum – genauer gesagt: Jetzt Teil des großen Museums, das Odense seinem großen Sohn der Stadt gewidmet hat. Und statt klein und übersichtlich, ist das neue Hans Christian Andersen-Haus im Herzen der Hauptstadt von Fünen laut eigener Beschreibung ein "Museum für alle, die Spiele und gute Erzählungen" lieben. Entworfen wurde das 2021 eröffnete Museumsgebilde vom japanischen Starchitekten Kengo Kuma. Tipp: Wer Andersens Welt von früher sucht, wird eher in seinem Kindheitshaus fündig: Das "Barndomshjem" in der Munkemøllestræde nur wenige Gehminuten entfernt ist nahezu original erhalten. //

LAND DER FÄHREN Aalborg (cs). Ein Land mit Inseln braucht – Fähren. Als Verbindungs- und Transportmittel zwischen Festland und Eilanden. Mit mehr als 400 Inseln ist Dänemark traditionell ein Königreich. Gewesen? Denn die Schiffe werden immer weniger. Verknüpfen heute noch rund 50 Fähren das nordische Land übers Meer hinweg, waren es bis in die 1970er und 1980er noch fast doppelt so viele. Erste Fähren verkehrten laut Quellen Anfang des 19. Jahrhunderts regelmäßig zwischen dänischen Häfen. Sie waren meist aus Holz und beförderten Menschen, Wagen und Tiere. "Luxus"fähren hatten sogar Platz für Kabinen und Verpflegung. Ende des 19. Jh. sah man in dänischen Gewässern vermehrt moderne Raddampfer. Sie konnten sogar Eisenbahnwaggons mitnehmen. Abgelöst wurden sie von Fähren mit Schrauben, die in eisreichen Wintern sogar durch zugefrorene Gewässer zuverlässig pendelten. Eisenbahnfähren gibt es heute gar nicht mehr – die Große-Belt-Brücke löste die Fähren zwischen Nyborg auf Fünen und Korsør auf Seeland ab. Und auch zwischen Rødby auf Lolland und Puttgarden auf Fehmarn gibt es keinen internationalen Bahnverkehr mehr. Wenn der Fehmarnbelttunnel fertiggestellt sein wird, fahren die Züge zwischen Deutschland und Dänemark durch den Tunnel, nicht übers Wasser. Bleibt das Fährvergnügen beispielsweise zu Urlaubsinseln wie Bornholm, Læsø, Fanø, Samsø oder vielen kleineren Inseln. Und das hoffentlich noch lang! //

DÄNEMARKS MEISTE SONNENSTUNDEN Bornholm (cs). Bornholm ist eine kleine (dänische) Welt für sich – fast 140 Kilometer entfernt vom Festland. Seine Lage mitten in der Ostsee macht das 588 Quadratkilometer große Eiland aber zu etwas ganz Besonderem: zur Sonneninsel des Königreichs Dänemark. Jahr für Jahr misst das dänische Wetteramt DMI hier den wenigsten Regen und die meisten Sonnenstunden! Im Sommer dieses Jahr waren es 830 Stunden – an der Westküste in Jütland dagegen nur 650 . Mehr als 2200 sind es insgesamt in den letzten Jahren durchschnittlich gewesen – an der dänischen Nordsee hingegen nur 1800. Das wusste schon Bornholms kleine Schutzgeister Krølle Bølle auf dieser alten Postkarten aus den 1960er Jahren. Der kleine Troll wohnt im Wald von Langbjerg, irgendwo versteckt nahe der Ruine Hammershus. //

SOMMERPENSIONAT UND STRANDERLEBNIS (cs). Marielyst auf der dänischen Ostseeinsel Falster ist heute eines der beliebtesten Ferienziele. Für dänische Urlauber besonders, immer wieder aber auch für weitgereiste Gäste. Vor allem der fast zwanzig Kilometer Strand mit feinem Ostseesand und Dünen gehört zu Marielysts großen Naturhighlights. Marielyst, nicht weit entfernt von Dänemarks südlichstem Punkt bei Gedser gelegen, gilt als einer der ersten Ferienorte im Königreich: Seit mehr als einhundert Jahren zieht es Erholungssuchende her. Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem im Sommer. Heute das ganze Jahr über. Viele Gäste übernachteten damals im Internat Marielyst Højskole, einem alten vierflügeligen Bauernhof. Von 1906 bis 1971 wurden im Sommer in den Schlafräumen der Bildungsanstalt Sommergäste einquartiert, während der Schulbetrieb ruhte. Heute kommen die meisten Urlauber, um in einem der zahlreichen Ferienhäuser ganz ungestört allein, mit Familie oder Freunden, unweit der Küste abzuschalten. //

FERIENHAUS. Hornbæk/Jütland (cs). Dänemarkurlaub im 21. Jahrhundert ist Ferienhausurlaub – keine Frage, denn die meisten Urlauber lieben es, die schönste Zeit des Jahres im "eigenen" (wenn auch nur gemieteten) Ferienhaus in der Nähe der Küste zu verbringen. Mit Platz für sich, Freunde, Familie. Oft liegen die heute insgesamt fast 450.000 dänischen Ferienhäuser nur wenige Meter von Dünen, Strand und Nordsee oder Ostsee entfernt. Das taten sie schon immer, seit in den 1890er Jahren in Hornæk an der Nordküste von Seeland die ersten Ferienhausgebiete entstanden. Damals waren es noch echte "Sommerhäuser" – und so heißen die längst komfortablen Unterkünfte auf Dänisch ja noch heute. Sommer, weil die lange einfachen Hütten mit einem, höchstens zwei Zimmern den Charakter eines Schrebergartenhäuschens hatten: ohne Wasser, ohne Strom, ohne Heizung waren sie nur in den warmen dänischen Sommerwochen bewohnbar. Das ging lange so. Und änderte sich erst so richtig nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders ab den 1960er Jahren als Strom oder Gas, Wärmedämmung, Wasser und mehr Zimmer die Ferien im Urlaubsdomizil bequemer, praktischer und bemütlicher machten. Das war noch lange kein Vergleich zum Ganzjahreshaus von heute, das die dänischen Ferienhäuser längst sind, war aber ein Quantensprung verglichen mit der Einfachheit der Hütten noch in den 1920er und 30er Jahren. //
