Hamburger Universität macht (Lern-)Angebot für alle: Mathematik auf Schritt und Tritt ganz spielerisch

 Nils Buchholtz, Professor für Didaktik der Mathematik an der Sekundarstufe, und Marieke Ende, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, arbeiten an der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg. Foto: Christoph Schumann, 2026
Nils Buchholtz, Professor für Didaktik der Mathematik an der Sekundarstufe, und Marieke Ende, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, arbeiten an der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg. Foto: Christoph Schumann, 2026

REPORTAGE PORTRÄT WISSENSCHAFT Hamburg (cs). Das erste Rätsel wartet nur wenige Meter vom Institut am Von-Melle-Park entfernt auf mich. Mitten auf dem Campus der Universität Hamburg erhebt sich im nachmittäglichen Winterlicht die „Plattform zur Sonne“, eine Mischung aus Architektur-Skultpur und sommerlichem Treffpunkt für Studierende. „Wie weit ist die obere Ebene wohl vom Boden entfernt?“, fragt mich Nils Buchholtz. „Wie würden Sie da herangehen?“ Damit stellt mich der Professor für Didaktik der Mathematik vor dieselbe Aufgabe wie die Grundschulklassen, die regelmäßig zu einer „Mathe-Rallye“ hier im Grindelviertel antreten. Genauer gesagt handelt es sich bei den einzelnen Stationen allerdings nicht um eine Rallye, sondern um einen „Mathematischen Spaziergang“.

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„Marktwert kommt nur durch Sichtbarkeit“ — vor 100 Jahren wurde in Hamburg wurde in Hamburg die GEDOK als Gemeinschaft der Künstlerinnenvereine gegründet

Sabine Rheinhold ist Vorsitzende der GEDOK in Hamburg. Foto PR/Willing-Holtz/GEDOK Hamburg
Sabine Rheinhold ist Vorsitzende der GEDOK in Hamburg. Foto PR/Willing-Holtz/GEDOK Hamburg

KUNST und GESELLSCHAFT Hamburg (cs). „Es ist und bleibt ein langer, zäher Weg.“ Wenn Sabine Rheinhold auf die Stellung von Künstlerinnen blickt, freut sich die Vorsitzende der Gedok in Hamburg zwar über erkennbare Fortschritte. „Doch die Werke und Fähigkeiten kreativer Frauen kommen erst allmählich ans Licht“, sagt die ehrenamtliche Kulturvermittlerin anlässlich der vor genau einhundert Jahren an der Elbe als „Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ von Networkerin, Mäzenin, Frauenrechtlerin und -förderin Ida Dehmel (1870–1942) gegründeten Vereinigung. Rund siebentausend Mitgliederinnen hatte die Gedok vor dem Zweiten Weltkrieg, ehe sie von der nationalsozialistischen Kulturpolitik gleichgeschaltet und damit zerschlagen wurde: „Viele Malerinnen, Bildhauerinnen, Textilkünstlerinnen und andere begingen damals aus Angst Suizid – und gerieten in Vergessenheit, wenn sie denn überhaupt die Chance hatten, bekannt zu werden“, so Rheinhold. „Denn Frauen waren zwar in der Kunst immer da, aber sie waren nicht sichtbar wie ihre männlichen Kollegen. Dass begabte Frauen erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts an Kunstakademien studieren durften, während sie zuvor auf private „Damenakademien“ angewiesen waren, wirkt teils bis heute nach.

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Der dänische Farbenbefreier: Verner Panton zum 100. Geburtstag

Verner Panton in ganzer Farbenpracht – die berühmte "Spiegel"-Kantine steht heute im Museum für Kunst & Gewerbe in Hamburg. Foto: MKG/Henning Rogge/PR
Verner Panton in ganzer Farbenpracht – die berühmte "Spiegel"-Kantine steht heute im Museum für Kunst & Gewerbe in Hamburg. Foto: MKG/Henning Rogge/PR

PORTRÄT Kopenhagen/Hamburg/Weil am Rhein (cs). Neulich in einem Kopenhagener Hotel: Der Tisch im morgendlich noch halbdunklen Frühstücksraum wird von einer kleinen, roten Lampe – zugegebenermaßen etwas sparsam – erleuchtet. Auf dem Nebentisch ist das Leuchtobjekt grün, schräg gegenüber schwarz. Der typisch kuppelförmige Lampenschirm und der pilzartige Fuß der Lampe verraten gleich, dass die Inneneinrichter meiner Unterkunft dabei auf dänisches Design gesetzt haben. Panthella heißt die Tischleuchte, die aktuell eine wahre Renaissance erlebt. In öffentlichen Räumen, genauso aber auch im Privaten. Entworfen wurde die Lampe von einem der größten und ideenreichsten Designer, den Dänemark im letzten Jahrhundert hatte: Verner Panton.

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Ein Bilderpoet des dänischen Wattenmeers – ein Besuch beim Fotografen Lars Roed in Ribe

Der dänische Fotograf Lars Roed in seiner Galerie in der Altstadt von Ribe, Dänemark. Foto: Christoph Schumann, 2025
Der dänische Fotograf Lars Roed in seiner Galerie in der Altstadt von Ribe, Dänemark. Foto: Christoph Schumann, 2025

REPORTAGE PORTRÄT Ribe/Mandø (cs). Wer mit Lars Roed auf nächtliche Fotosafari geht sieht manchmal nichts. Oder besser: fast nichts. Mühsam suchen unsere Augen nach hellen Punkten am Himmel, als wir an diesem Herbstabend gemeinsam mit dem dänischen Fotografen an der Wattenmeerküste stehen. Der 50-Jährige hat Stativ und Kamera nahe dem Deich aufgebaut, von dem aus der Ebbeweg hinüber nach Mandø führt. Hier, wo tagsüber die beliebten Traktorbusse mit Touristen bei Niedrigwasser ihren Weg durchs Wasser hinüber zu Dänemarks kleinster Nordseeinsel starten, wollen wir mit dem Fotoprofi auf Dark-Sky-Safari (s. Infokasten) gehen und lernen, wie man den klaren Sternenhimmel und den Vollmond am besten auf eindrucksvollen Aufnahmen festhält. Wenn da nicht die durchgehende Wolkendecke wäre …

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Auf großer Kreuzfahrt quer durch Hamburg – Kaptiän Jürgen Sawatzki fährt seit 35 Jahren auf der Alster

Kapitän Jürgen Sawatzki auf seiner „Sielbeck“ am Jungsternstieg in Hamburg. Foto: Christoph Schumann, 2025
Kapitän Jürgen Sawatzki auf seiner „Sielbeck“ am Jungsternstieg in Hamburg. Foto: Christoph Schumann, 2025

REPORTAGE Reise Hamburg (cs). Wenn Jürgen Sawatzki auf große Fahrt geht, ist er nach zwei Stunden zurück am Kai. Seit fünfunddreißig Jahren nimmt der Kapitän schon Gäste mit auf Kreuzfahrt – auf eine Kreuzfahrt über die Alster im Herzen der Hamburger Altstadt. An diesem sonnigen Junitag begrüßt der 62-Jährige rund ein Dutzend Passagiere am Anleger 4 am Jungfernstieg. Mit einem fröhlichen „Moin“ empfängt der Geesthachter seine Mitreisenden auf der „MFS Siebek“, kontrolliert Tickets und verkauft einzelne Fahrscheine. Punkt 11.15 Uhr macht die wie ihr Schwesterschiff „Ammersbek“ 1938/39 in Finkenwerder gebaute „Sielbek“ die Leinen los zur Rundfahrt. Mit Hamburgs Rathaus und dem Konsumtempel Alsterhaus im Rücken nimmt das historische Schiff gelassen Kurs über die Binnenalster auf die viel befahrenen Lombards- und Kennedybrücke zu, vorbei an der sprudelnden Alsterfontäne. „Die Tour über die Alster gehört zu meinen Lieblingsstrecken“, erzählt Jürgen Sawatzki mit norddeutschem Dialekt, während über uns Autos und Züge hinwegrollen. „Es gibt viel zu sehen. Immer wieder steigen Gäste zu. Und die Stimmung an Bord ist meist fröhlich.“

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Deutschland von A wie Albersdorf bis Z wie Zarpen – der dänische Journalist Carsten Grubach entdeckt kleine Orte

Entdeckungen am Wegesrand: eine Büchertauschbox im schleswig-holsteinischen Albersdorf. Foto: Carsten Grubach/privat
Entdeckungen am Wegesrand: eine Büchertauschbox im schleswig-holsteinischen Albersdorf. Foto: Carsten Grubach/privat

REPORTAGE von Christoph Schumann

 

Kolding/Hamburg (cs). Irgendwann musste es einfach sein. Einige Jahre schwirrte Carsten Grubach die Idee bereits im Kopf herum. Sogar erste Vorplanungen hatte der dänische Autor schon gemacht – als die Coronapandemie die Reisewege des Endsechzigers kreuzte und das Datum hinausschob. „Im vorletzten Jahr war es dann endlich soweit“, erzählt Carsten Grubach im Gespräch mit unserer Zeitung. „Da bin ich los“, so der Journalist aus Kolding in Südjütland. Das Projekt des Globetrotters: Einmal Deutschland von A bis Z bereisen. Am besten in alphabetischer Reihenfolge und am Stück. Das hieß konkret: von Albersdorf bis Zarpen.

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„Die vorgesehenen Mittel reichen nicht“ – der Kieler Bildungsforscher Olaf Köller im Gespräch zu Schule und Zukunft

Professor Olaf Köller von der Universität Kiel. Foto: Privat
Professor Olaf Köller von der Universität Kiel. Foto: Privat

PORTRÄT Bildung Kiel (cs). Auch die letzten Zahlen waren wieder eindeutig: In der letzten PISA-Studie, die seit rund einem Vierteljahrhundert regelmäßig die Fähigkeiten europäischer Schüler ermittelt, schneiden Jugendliche hierzulande im Lesen und Schreiben, aber auch in Mathematik und Naturwissenschaften generell schlechter ab als noch 2018. Der Trend gilt zwar in vielen OECD-Ländern. Aber bei uns waren laut der vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien an der TU Münschen ermittelten Zahlen die Leistungsrückschläge „überdurchschnittlich hoch“, so die Experten. Anders gesagt: Etwa ein Drittel der 15-Jährigen hat in mindestens einem der drei Bereiche nur sehr geringe Kompetenzen. Dabei ist doch gerade die junge Generation der Hoffnungsträger der Zukunft. Einer, der es wissen muss, nett diese Lage sogar dramatisch: „Wenn fast dreißig Prozent unserer 15 Jahre alten Schülerinnen und Schüler zur Risikogruppe in Mathe gehören und weitere fünfundzwanzig Prozent zur Risikogruppe beim Lesen, dann ist das dramatisch“, sagt Olaf Köller im Gespräch mit unserer Zeitung. Damit erfüllten die Lernenden nicht einmal das Mittelstufensoll, so der Professor am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in Kiel.

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Heiko Mielke ist ein "Clown ohne Grenzen": "Lachen braucht keinen Dolmetscher"

Heiko Mielke hat die deutschen "Clowns ohne Grenzen" mitgegründet und ist oft in Krisengebieten wie hier vor einigen Jahren in Syrien unterwegs. Foto: Clowns ohne Grenzen/PR
Heiko Mielke hat die deutschen "Clowns ohne Grenzen" mitgegründet und ist oft in Krisengebieten wie hier vor einigen Jahren in Syrien unterwegs. Foto: Clowns ohne Grenzen/PR

PORTRÄT Loose/Eckernförde (cs). Manchmal muss Heiko Mielke richtig schnell sein. Wenn ihn während einer Vorstellung die Zuschauer in freudig-befreiter Stimmung immer enger umringen, ja fast einzukesseln drohen, hilft ab und an nur der Sprung auf ein improvisiertes Podium in der Nähe. So wie vor einigen Jahren in einem Flüchtlingslager in Syrien: „Damals wurden wir von begeisterten Kindern derart gefeiert, dass nur ein beherzter Sprung auf einen Container das Weiterspielen möglich gemacht hat – schon hatten wir eine kleine Bühne, auf der uns alle sehen und hören konnten“, erinnert sich der 64-Jährige an einen seiner zahlreichen Auftritte in aller Welt.

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"Wir sind keine Tüftler, sondern Erfinder" – zu Besuch beim Erfinderclub Schleswig-Holstein

Hartmuth Drews vom Erfinderclub Schleswig-Holstein mit seiner ersten Erfindung, einer Aluminium Notleuchte, deren Scheibe werkzeuglos zu entnehmen ist. Foto: Christoph Schumann, 2024
Hartmuth Drews vom Erfinderclub Schleswig-Holstein mit seiner ersten Erfindung, einer Aluminium Notleuchte, deren Scheibe werkzeuglos zu entnehmen ist. Foto: Christoph Schumann, 2024

REPORTAGE Pinneberg/Flintbek (cs). Ein Tortenheber, der Kuchen ohne umzufallen auf den Teller bringt. Eine Gummimanschette, die verhindert, dass Kaminholz beim Spalten vom Bock auf den Boden fällt. Ein Bett-Schalfsystem, das Lattenrost und Matratze zu einer Einheit vereint. Ein Wasserrad, das aus Modulen zusammengesetzt ist, die sich je nach Einsatzort und Größe einsatzgenau anpassen lassen. Oder ein Kühlschrank, der verderbliche Lebensmittel über das angegebene Haltbarkeitsdatum genießbar macht – und so der Verschwendung von Nahrungsmitteln vorbeugt. Das sind nur einige der Ideen, die der Erfinderclub Schleswig-Holstein e.V. hervorgebracht hat. „Sagen Sie bloß nicht, wir wären Tüftler“, warnt mich Hartmuth Drews gleich bei der Begrüßung mit einem Augenzwinkern. „Wir sind nämlich keine Nerds oder Verrückten, sondern eher Entwickler“, ergänzt der gelernte Bauingenieur. Um mich ohne Umschweife in seine Welt zu entführen: die Ideenwerkstatt im Keller. „Haben nicht alle Erfinder ihr Reich im Keller oder in der Garage?“, fragt Drews, der als zweiter Vorsitzender des Erfinderclubs von Pinneberg-Waldenau aus mit lenkt. „Auch so ein Klischee, das selten bis nie zutrifft.“

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Die Seekarten der Zukunft – ein Besuch beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg

Thomas Dehling, Abteilungsleiter am Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie auf dem Balkon seines Büros in Hamburg-St. Pauli. Foto: Christoph Schumann, 2024
Thomas Dehling, Abteilungsleiter am Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie auf dem Balkon seines Büros in Hamburg-St. Pauli. Foto: Christoph Schumann, 2024

REPORTAGE

Hamburg (cs). „Für uns ist es wie übermorgen.“ Wenn Thomas Dehling in seinem Büro an der Bernhard-Nocht-Straße in diesen Wochen an sein wichtigstes Projekt denkt, ist dem Abteilungsleiter für Nautische Hydrographie ein kleines Zögern anzumerken. Und ein wenig auch der Druck, der auf dem 60-Jährigen und seinem Team lastet, bis Anfang 2026 eines der bislang größten Vorhaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) umzusetzen: die Entwicklung und Bereitstellung einer neuen Generation von elektronischen Seekarten. „Die aktuellen Karten, die wir für Berufsschiffer und Freizeitkapitäne bereitstellen, ist rund fünfundzwanzig Jahre alt“, sagt der Ingenieur für Vermessungswesen. „Und damit längst zu alt und ungenau für die Anforderungen, die die zunehmend komplexe Schifffahrt heute zu bewältigen hat.“

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Kinder und Albträume: Wenn der Teddy zum Superhelden wird

Kennt sich mit Kindern und ihren Problemen aus: Kognitionswissenschaftlerin Katharina Lüth von der Uni Osnabrück. Foto: Julia Schüchtele/privat
Kennt sich mit Kindern und ihren Problemen aus: Kognitionswissenschaftlerin Katharina Lüth von der Uni Osnabrück. Foto: Julia Schüchtele/privat

Christoph Schumann

 

PORTRÄT WISSENSCHAFT Osnabrück/Hamburg (cs). Hilflos steht die Achtjährige auf der Straße vor dem Haus ihrer Familie. Flammen und Rauch schlagen empor. Und während das Feuer lodert, rufen Mutter und Kuscheltiere laut aus dem Fenster um Hilfe. Nicht immer träumen Kinder so bildstark wie die Achtjährige, die Katharina Lüth von ihrem Albtraum berichtet hat. „Junge Menschen haben ähnliche Träume wie Erwachsene“, sagt die Kognitionswissenschaftlerin, die an der Universität Osnabrück zu Träumen forscht. Oft gehe es um Gefühle und Emotionen oder um soziale Beziehungen in der Familie, zu Freunden oder im Beruf. „In solchen Fällen sind Träume eine Art Simulation des ›echten‹ Lebens und verarbeiten beispielsweise Probleme, für die man eine Lösung sucht und manchmal auch findet“, so die 34-jährige Expertin.

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Wohnprojekt und Lebensweg: Das Wohnprojekt "Festland" in der Hamburger HafenCity

Christian Kaiser-Willilams und Maike Früh leiten das Wohnprojekt "Festland" in Hamburg. Foto: Christoph Schumann, 2024
Christian Kaiser-Willilams und Maike Früh leiten das Wohnprojekt "Festland" in Hamburg. Foto: Christoph Schumann, 2024

REPORTAGE Hamburg (cs). Ein langer Weg liegt hinter Nadine Schindel. Anfangs waren es über viele Wochen erste Schritte in der eigenen Wohnung. An diesem Dienstag im Vorfrühling wagt sich die 28-Jährige in Begleitung ihrer Helferin zum ersten Mal nur mit ihrer Gehhilfe hinaus auf den Gemeinschaftsflur im sechsten Stock von Festland. Wegen eines frühkindlichen Hirnschadens ist die junge Frau seit vielen Jahren eigentlich auf einen Rollstuhl angewiesen, um den Alltag bewältigen zu können. Eine spastische Lähmung beeinträchtigt vor allem Schindels Gehen, immer wieder verspannen sich ihre Muskeln nahezu ohne Vorwarnung. Umso ungestümer freut sich die chronisch kranke Frau heute – nicht zuletzt über ihre Entscheidung, in eines der ungewöhnlichsten Wohnprojekte Deutschlands eingezogen zu sein: „Festland ist großartig.“

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Wo kein Patient abgewiesen wird – Hamburgs "Praxis ohne Grenzen"

Der Arzt Prof. Dr. P.C. Ostendorf ist Leiter und Gründer der "Praxis ohne Grenzen" in Hamburg-Eidelstedt. Foto: Christoph Schumann, 2024
Der Arzt Prof. Dr. P.C. Ostendorf ist Leiter und Gründer der "Praxis ohne Grenzen" in Hamburg-Eidelstedt. Foto: Christoph Schumann, 2024

PORTRÄT Hamburg (cs). Gut gelaunt kommt Peter Ostendorf jeden Tag um zehn Uhr in seine Praxis im Hamburger Nordwesten. Und wenn man den Arzt so von Behandlungszimmer zu Behandlungszimmer durch die langen Gänge der Poliklinik laufen sieht, muss man sagen: auch voller Tatendrang. Dabei verdient der gelernte Internist mit seinem Enthusiasmus kein Geld. Und eigentlich könnte der ehemaliger Chefarzt ebenso gut auch zuhause entspannt ein Buch lesen oder im warmen Süden seine Frezeit genießen. Denn mit 86 Jahren ist der gebürtige Westfale längst im besten Pensionsalter. Doch das Alter ist für den langjährigen Professor am katholischen Marienkrankenhaus in Hamburg überhaupt kein Grund, kürzer zu treten: „Ich habe mich immer an das gehalten, was ich meinen Patienten rate: Nehmen Sie sich etwas vor, wenn die Rente naht. Starten Sie ein neues Projekt, seien Sie aktiv und bleiben Sie interessiert.“ Und was den zugewandten Arzt noch mehr antreibt: „Ich wollte immer etwas von dem Glück zurückgeben, das mir das Leben geschenkt hat.“

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Der Hamburger Zauberkünstler Wittus Witt und sein Zaubermuseum: Vom Wunder in den Köpfen

Der Hamburger Zauberer Wittus Witt in seinem Museum in Hamburg St. Georg. Foto: Christoph Schumann, 2024
Der Hamburger Zauberer Wittus Witt in seinem Museum in Hamburg St. Georg. Foto: Christoph Schumann, 2024

 Porträt Hamburg (cs). Wenn Wittus Witt zaubert, werden alltägliche Dinge magisch. Ob Jacke eines Zuschauers oder Tasche einer Zuschauerin – dem bekanntesten deutschen Zauberkünstler gelingt es, Unscheinbares faszinierend zu machen. „Mein Wunsch ist es bei jedem Auftritt, Alltagsgegenstände einen Zauber zu entlocken“, umreißt der Hamburger Magier seine Motivation, die ihn heute wie bei seinen ersten Aufauftritten vor fast fünf Jahrzehnten antreibt. Das Zaubern brachte sich der in Ostwestfalen als Hans-Jürgen Witt geborene Zauberer autodidaktisch bei. Seine Liebe zur bildenden Kunst führte nach dem Abitur zu einem Studium bei Joseph Beuys an der Kunstadademie in Düsseldorf. Nachdem der Aktionskünstler seine Professor verloren hatte, wechselte Witt an die Fachhochschule und wurde Designer.

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Der Hamburger Gitarrist Mischa Gohlke: Stille Sounds und laute Botschaften

Der Hamburger Musiker Mischa Gohlke. Foto: Marianne Moosherr/PR
Der Hamburger Musiker Mischa Gohlke. Foto: Marianne Moosherr/PR

Christoph Schumann

 

PORTRÄT Hamburg (cs). Wenn Mischa Gohlke zur Gitarre greift und die ersten Akkorde schlägt, hört er manchmal jeden Ton. Dann aber gibt es Tage, an den der Hamburger sein eigenes Instrument und den Bass und die Drums seiner Bandmitglieder nur ganz entfernt wahrnimmt. „Vor allem der Gesang bleibt dann diffus und weit weg – für mich ist meine Musik dann eine Art Klangbrei“, beschreibt der 43-jährige die Kontraste, die der Profimusiker in Proberaum und auf der Bühne regelmäßig erlebt. Gegensätze, die für den Gitarristen und Bandleader im wahrsten Sinn des Wortes akustische Höhen und Tiefen sind. Anders hat Gohlke die Hörseite des Lebens nie kennengelernt: Der Musiker, der auch als Kultur- und Medienmanager, Dozent, Redner, Autor, Aktivitst und Inklusionsbotschafter aktiv ist, kam nahezu gehörlos zur Welt. „Das fiel erst auf, als ich nicht wie die anderen Kinder zu sprechen begann“, schildert Gohlke die ersten Jahre. Erst starke Hörgeräte schafften mit zweieinhalb Jahren Abhilfe. Gohlke entdeckte die Welt neu. „Heute höre ich dank meiner Hörapparate maximal etwa sechzig bis siebzig Prozent dessen, was Normalhörende mitbekommen“, schätzt Mischa Gohlke.

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„Wir wollen den Frieden gewinnen“ – ein Gespräch mit dem katholischen Militärdekan Bernward Mezger in Hamburg

Militärdekan Bernward Mezger in seinem Arbeitszimmer in der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Foto: Christoph Schumann, 2024
Militärdekan Bernward Mezger in seinem Arbeitszimmer in der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Foto: Christoph Schumann, 2024

PORTRÄT Hamburg (cs). Ein trüber, regnerischer Freitagmorgen im Januar dieses Jahrs. Der Weg von der Bushaltestelle zur Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg führt vorbei an Apparmenthäusern aus den 1970er Jahren, alten Villen, einem Seniorenheim und einer Pension. Still ist es, außer einigen Bauarbeitern ist auf dem knapp einen Kilometer langen Fußweg im Westen der Hansestadt niemand zu sehen. Als linkerhand der hohe Zaun rund um das parkartige Gelände der militärischen Hochschule auftaucht, sind es nur noch wenige Schritte bis zum Haupteingang der Clausewitz-Kaserne: Der zwischen 1933 und 1936 in Blankenese errichtete Standort ist seit fast siebzig Jahren die wichtigste militärische Ausbildungsstätte für die Aus-, Weiter- und Fortbildung der Bundeswehr.

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Radiobrücke über die Weltmeere: 70 Jahre "Gruß an Bord" im NDR Radio

Ocke Bandixen und Britta von Lucke gehören zu den Moderatoren von "Gruß an Bord" im NDR. Foto: NDR/PR, 2023
Ocke Bandixen und Britta von Lucke gehören zu den Moderatoren von "Gruß an Bord" im NDR. Foto: NDR/PR, 2023

Von Christoph Schumann

 

REPORTAGE Hamburg (cs). Wenn die Glocken von Sankt Michaelis läuten, beginnt für viele ein Ritual: Das Läuten der Hamburger Hauptkirche ist der traditionelle Auftakt zu einer der traditionellsten Radiosendungen des NDR – dem „Gruß an Bord“ an Heiligabend. Genau siebzig Jahre ist es her, dass die Kultsendung zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, mit der Familien und Freunde Seeleute auf allen Weltmeeren grüßen lassen. Und so über tausende Kilomter hinweg auf eine ganz besondere Art Nähe und Zusammenhalt herstellen konnten und können. Als „Gruß an Bord“ am Heiligen Abend 1953 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, geschah dies noch über Norddeich Radio, eine Seefunkstation in Ostfriesland.

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„Plattdeutsch muss man pflegen“ – der "Hörblatt"-Erfinder Gerd Feldhusen aus Hamburg

Gerd Feldhusen, Erfinder des "Hörblatts" in seinem Hamburger Garten. Foto: Christoph Schumann, 2023
Gerd Feldhusen, Erfinder des "Hörblatts" in seinem Hamburger Garten. Foto: Christoph Schumann, 2023

PORTRÄT Hamburg (cs). Seit fünfzehn Jahren gibt es die Hörzeitung „Dat Hörblatt“ – erfunden hat Deutschlands einziges Hörmagazin auf Platt für Blinde, Nichtsehende und Sehbehinderte der Hamburger Gerd Feldhusen

 

Von Christoph Schumann

 

„Eegentlich wull ik Paster warrn“, lacht Gerd Feldhusen. Und zitiert damit gleich am Anfang unseres Gesprächs in der heimischen Gartenwohnung im Hamburg-Eidelstedt den Titel seiner vor rund zwanzig Jahren aufgeschriebenen Erinnerungen an die Kindheit an der Nordsee. Gleichzeitig reist der pensionierte Kriminalpolizist damit aber auch eine Lebenslinie, der der heute 84-Jährige seit seinen Kindheitstagen folgt: dem Plattdeutschen. Und da ich, obwohl ›vorgewarnt‹, als Quiddje – sprich: Zugezogener und Hochdeutschsprechender – leicht fragend schaue, übersetzt Feldhusen schnell: „Ich wollte eigentlich mal Pastor werden.“

 

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Auf dem Alsterwanderweg mit einer Wegewärtin: Im Blätterwald durch Hamburg

Hier geht's (auch) lang: Hinweisschild zum Alsterwanderweg. Foto: Christoph Schumann, 2022
Hier geht's (auch) lang: Hinweisschild zum Alsterwanderweg. Foto: Christoph Schumann, 2022

Von Christoph Schumann

 

REPORTAGE Hamburg (cs).Still steht ein Graureiher im flachen Wasser des Mühlenteichs und genießt die Vormittagssonne. In Ufernähe schwimmt eine Entenfamilie mit ihren Jungen, immer in Reichweite des sicheren Nests. Erst wenige Schritte sind Hannelore Fielitz und ich von unserem Treffpunkt am S-Bahnhof Hamburg-Ohlsdorf auf dem Alsterwanderweg gegangen und schon wirkt es, als lägen Großstadtlärm und -hektik bereits Stunden hinter uns. „Der Alster von hier nach Norden zu folgen, gehört für mich zu den schönsten Wanderungen Hamburgs“, sagt die 67-Jährige. „Denn sobald man unter der Brücke am Ratsmühlendamm die Hektik der quirligen Viertel Fuhlsbüttel und Ohlsdorf hinter sich lässt, taucht man ein in den Blätterwald am Fluss und ist ganz von Natur umgeben.“

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Frohe Botschaft auf dem Kiez: Zu Besuch bei Kiezpastor Karl Schultz auf St. Pauli

Pfarrer Karl Schultz unterwegs auf der Großen Freiheit in St. Pauli. Foto: Christoph Schumann, 2022
Pfarrer Karl Schultz unterwegs auf der Großen Freiheit in St. Pauli. Foto: Christoph Schumann, 2022

Von Christoph Schumann

 

PORTRÄT Hamburg (cs). Kiezgröße? Nein, dazu gehöre er nun wirklich nicht, sagt Karl Schultz. „Obwohl mich natürlich fast jeder hier auf Sankt Pauli kennt.“ Kein Wunder, denn das ›Haus‹ des 65-Jährigen liegt direkt an der Großen Freiheit 43, gleich gegenüber vom berühmten Musikclub „Große Freiheit 36“. Und zum Freundeskreis des umtriebigen Schultz gehören auch bekannte Kiezlegenden wie Dragqueen Olivia Jones, deren Bar nur wenige Schritte entfernt liegt, oder Impressario Corny Littmann, dessen „Schmidts Tivoli“ noch heute für die Neuerfindung des weltbekannten Rotlichtviertels als Club- und Musikviertel steht.

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Sicherer Halt in Handarbeit – die Ledermanufaktur Ludwig Schröder in Uetersen

Katharina Schröder führt das Handwerk ihrer Familie in Uetersen weiter. Foto: Christoph Schumann, 2022
Katharina Schröder führt das Handwerk ihrer Familie in Uetersen weiter. Foto: Christoph Schumann, 2022

Von Christoph Schumann

 

PORTRÄT Uetersen (cs). Kaum habe ich die Tür zum Fabrikshop im zweistöckigen Klinkerbau geöffnet, umweht mich der angenehme Geruch von weichem Leder. Im Geschäft fällt der Blick auf bunte Ledergürtel, die in allen Farben von klassischem Schwarz und Braun bis Rot oder Gelb die Wände des historischen Gebäudes füllen. Auf kleinen Tischen und Aufstellern liegen Accessoires wie Schlüsseletuis, Stifteetuis und Portemonnaies, stehen Damentaschen oder liegen Schreibtischunterlagen. Seit fast zweihundert Jahren gehört Ludwig Schröder fest zum Firmenleben im südholsteinischen Uetersen. „Davon etwa die Hälfte der Zeit an unserem jetzigen Standort an der Stadtgrenze zu Tornesch“, erzählt Katharina Schröder, die den Familienbetrieb für Lederwaren in der siebten Generation führt.

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Salzsiederei "Arctic Salt" in Norwegen: Der Geschmack des Nordatlantik

Unternehmer Tore Hongset macht mit Arctic Salt sein Hobby Salz zum (Neben-)Beruf. Foto: PR/Arctic Salt
Unternehmer Tore Hongset macht mit Arctic Salt sein Hobby Salz zum (Neben-)Beruf. Foto: PR/Arctic Salt

Von Christoph Schumann

 

PORTRÄT Bodø/Salstraumen. Wenn Tore Hongset aus dem Fenster seines kleinen Büros schaut, hat er das Meer sofort im Blick.   Ja, nicht nur das Meer, sondern eines der spektakulärsten Naturphänomene, das die Weltmeere bieten: den Saltstraumen. Denn das rote Holzhaus, in dem der 56-jährige Norweger vor rund zehn Jahren „Arctic Salt“ gründete, liegt in Ripnes auf der Insel Knaplundsøya unmittelbar am Ufer des größten Gezeitenstroms der Welt – des „Stroms in Salten“, so die deutsche Übersetzung. Der äußere und der innere Saltfjord sind mit nur etwa 150 Metern Breite hier so eng, dass sich die Gezeiten etwa 400 Millionen Liter Meerwasser hier auf bis zu 40 Stundenkilometer beschleunigen und sich spektakuläre Strudel von zehn und mehr Metern Durchmesser bilden. Ihre Kraft reißen BeobachterInnen von den umliegenden Ufern oder Booten schon beim bloßen Anblick in ihren Bann.

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Ein Mann voller Rätsel – "Rätselpapst" Stefan Heine im Porträt

Stefan Heine ist einer der bekanntesten Rätselmacher Deutschlands. Foto: Christoph Schumann, 2021
Stefan Heine ist einer der bekanntesten Rätselmacher Deutschlands. Foto: Christoph Schumann, 2021

Von Christoph Schumann

 

PORTRÄT Hamburg/Eckernförde (cs). Es gibt Tage, da kommt auch Stefan Heine ins Schwitzen. Nicht, weil der Hamburger an einer unlösbare Sudoku-Aufgabe knobelte. Oder weil der von Kennern zu Deutschlands „Rätselpapst“ ernannte Freiberufler einer neuen Herausforderung für seine zahlreichen LeserInnen arbeitet. Sondern schlicht, weil die Sommerhitze den Hof von Heines kombiniertem Wohn-Geschäfts-Hauses im Nordwesten der Hansestadt ungewohnt kräftig aufheizt. So wie beim Gespräch unserer Zeitung vor wenigen Tagen. Gleich anfangs stellt der 52-Jährige richtig: „Rätselpapst ist wirklich nicht meine eigene Einschätzung – ich nenne mich schlicht Rätselmacher. Das trifft das, was ich mache, viel besser.“

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Kulturvermittler aus Leidenschaft: Der Australier John Griffith unterrichtet auch mit 71 noch an einem internationalen Gymnasium in Hamburg

Der aus Australien stammende John Griffith ist seit mehr als 20 Jahren Englischlehrer am Deutsch-Französischen Gymnasium in Hamburg-Lokstedt. Foto: Christoph Schumann, 2021
Der aus Australien stammende John Griffith ist seit mehr als 20 Jahren Englischlehrer am Deutsch-Französischen Gymnasium in Hamburg-Lokstedt. Foto: Christoph Schumann, 2021

Von Christoph Schumann

 

PORTRÄT Hamburg (cs). Eigentlich wollte John Griffith schon im letzten Sommer in Pension gegangen sein. Eigentlich. Und wieso überhaupt „schon“? Denn mit 71 Jahren erfreuen sich andere LehrerInnen in der Regel meist schon länger über den gern so genannten Unruhestand. Doch als der gebürtige Australier gefragt wurde, ob er sich nicht vorstellen könne, doch noch ein weiteres Schuljahr am anzuschließen, war die Entscheidung schnell gefasst: „Ich wollte nicht aufhören, dazu hänge ich zu sehr an meinem Beruf“, sagt der Englischlehrer am Deutsch-Französischen Gymnasium (DFG) in Hamburg mit Blick zurück auf das vom Coronavirus überschattete Frühjahr 2020. „Das Unterrichten war für mich noch nie Arbeit im Sinne von Büro- oder sogar Fließbandarbeit, sondern Berufung statt Beruf. Ich genieße den Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern – heute genauso wie vor mehr als vierzig Jahren, als ich nach dem Studium erste Erfahrungen sammeln konnte.“ Dazu war Griffith klar, dass seine SchülerInnen infolge des ersten Lockdowns samt mehrmonatigem Homeschooling vor fast einem Jahr Nachteile und Wissenslücken im Unterrichtsstoff hatten, die er aktiv helfen wollte zu schließen.

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Die Hamburger Trauerexpertin Ina Hattebier: Denken an Sterben und Tod – mitten im Leben

Die Hamburger Künstlerin Ina Hattebier mit einer ihrer selbstgemachten Urnen in ihrem Atelier in Hamburg-Altona. Foto: Christoph Schumann, 2020
Die Hamburger Künstlerin Ina Hattebier mit einer ihrer selbstgemachten Urnen in ihrem Atelier in Hamburg-Altona. Foto: Christoph Schumann, 2020

Von Christoph Schumann

Hamburg. Beim Eintreten wirkt das Atelier von Ina Hattebier in Hamburg-Altona wie andere Künstlerwerkstätten auch. Der hohe Raum – einst die Kantine der Alten Dosenfabrik, die heute fast 30 arbeitende KünstlerInnen unter einem Dach versammelt – ist hell, geräumig, randvoll mit Schränken und Regalen voller Arbeitsmaterial sowie weit ausladenden Arbeitstischen. Wäre da nicht der zweite Blick auf den Werktisch vor dem Fenster: Handelt es sich bei den konisch geformten Gefäßen mit Deckel etwa um – Urnen? „Der Eindruck trügt nicht“, sagt Ina Hattebier und muss dabei fast lächeln. „Ich bin von ganzem Herzen Künstlerin“, so die unter anderem an der Hochschule für Bildende Kunst in der Freien- und Hansestadt ausgebildete Kreative weiter, „und dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit den Grenzbereichen des Lebens. So hat der Tod sich allmählich in mein Leben geschlichen.“

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