
KULTUR FOTOGRAFIE Hamburg (cs). Die Welt ist durchfotografiert. Täglich werden weltweit schätzungsweise fünf Milliarden Fotos aufgenommen – das entspricht zwei Billionen Bilder im Jahr. Die meisten davon liegen unsortiert auf Smartphones oder Festplatten, ohne je wieder angeschaut zu werden. Gegen die Bilderflut unserer Tage hilft ein Blick zurück in die große Zeit der Fotografie: Die 1950er und 1960er Jahre gelten als eine Hochzeit der Fotokunst und neuer, ungewöhnlicher Blicke auf die Welt. Zwei sehenswerte Retrospektiven stellen jetzt in Hamburg mit Arbeiten – und die lange Zeit analoge Fotografie war auch handwerklich tatsächlich Arbeit – von Hans Hansen und F.C. Gundlach zwei der größten deutschen Fotografen der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

REPORTAGE Mannheim (cs). Der Klimawandel ist jetzt auch auf der „Katharina von Bora“ angekommen. Besser gesagt: unter dem Kiel des dreiundzwanzig Meter langen Flusskreuzfahrtschiffs. „Wir fahren in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Neckar“, sagt Jan Stastny, während das Schiff Heidelberg mit der imposanten Kulisse des roten Schlosses hoch oben über der barocken Altstadt hinter sich lässt. „Bisher führte eine unserer Touren die Elbe hinab mit Dresden und Wittenberg“, so der tschechische Kapitän mit Blick flussabwärts mit erkennbarem Bedauern, denn die Strecke durch die Sächsische Schweiz und vorbei an Dresden und Meißen gehöre zu seinen Lieblingsrouten. „Aber selbst für unser kleines Schiff ist der Wasserstand dort in den letzten Jahren bereits im Frühjahr und Herbst so niedrig geworden, dass eine sichere Fahrt immer unmöglicher wird.“ Weil sicher aber sicher ist, macht die „Katharina von Bora“ trotz ihrer nicht einmal eineinhalb Meter Tiefgang nun zum Anfang und Ende ihrer Saison alternativ einen Vier-Flüsse-Törn auf Neckar, Rhein, Mosel und Saar. Und umgekehrt Denn noch führen die Binnengewässer im Westen selbst im Sommer genug Wasser.

NEWS Kopenhagen/Hamburg/Lolland (pr/cs). Nach einem mehrtägigen Absenkvorgang liegt das erste von insgesamt 89 Betonelementen für den kommenden Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Dänemark und Deutschland jetzt im Tunnelgraben am Meeresboden und ist mit dem dänischen Tunnelportal verbunden. Das meldet Bauherr Femern A/S jetzt. Das historische Ereignis begann am Montagabend, dem 4. Mai 2026, als fünf Schlepper und der Absenkponton IVY das Element von der Tunnelfabrik bei Rødbyhavn auf der dänischen Insel Lolland zum Absenkpunkt vor der dänischen Küste transportierten. Am Mittwoch um die Mittagszeit begann dann das eigentliche Absenken. Rund 14 Stunden später war das Ziel erreicht und das erste Element präzise im Tunnelgraben vor dem Portal bei Rødbyhavn positioniert. Anschließend wurde das Element mithilfe eines hydraulischen Arms mit dem Portal verbunden. Die Position wurde schließlich durch eine präzise Lasermessung im abgesenkten Tunnelelement bestätigt. Im Laufe des Tages wird IVY dann final vom Element getrennt.

LITERATUR REPORTAGE Helgoland (cs). „Er war offen zu allen“, erinnert sich Karin Janßen. „Sein ganzes Wesen war nett und freundlich. Im Grunde war der Mensch wie seine Bücher: humorvoll und philanthropisch.“ Wenn die Mitarbeitern des Museums Helgoland an James Krüss denkt, merkt man ihr an, wie gern sie den größten Dichter der Nordseeinsel gehabt hat. Noch heute fällt der Name Krüss fast zwangsläufig, wenn von deutscher Kinder- und Jugendliteratur des 20. Jahrhunderts die Rede ist. Genau einhundert Jahre ist es am 31. Mai her, dass Krüss als drittes von vier Kindern eines Elektrikers und einer Hummerfischertochter auf der „roten Insel“ zur Welt kam – ein Ort, der sein Leben, Denken und Werk nachhaltig prägen sollte. Das Aufwachsen zwischen Meer, Wind und Weite hinterließ Spuren in Krüss’ Sprache: leicht, rhythmisch, oft verspielt, und doch mit einem Gespür für existenzielle Fragen.

KUNST Ausstellungen Bremen (cs). Zu Lebzeiten als Künstlerin unbeachtet, heute eine mit Ausstellungen weltweit gefeierte Malerin – die mit nur 31 Jahren früh verstorbene Paula Becker stand lange im großen Schatten ihres Mannes Otto Modersohn und anderer Größen der Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen. Wie aus der als drittes von sieben Kindern am 8. Februar 1876 in Dresden geborenen Minna Hermine Paula „die“ Paula wurde, erzählt anlässlich ihres 150. Geburtstags die sehenswerte Sonderausstellung „Becoming Paula“ im Paula Modersohn-Becker Museum in der Böttcherstraße in Bremen – schon ein Jahr nach ihrem Tod eröffnet, ist das Haus das erste einer Malerin gewidmete Museum weltweit.
Rund 80 Gemälde, Zeichnungen und Papierarbeiten aus der eigenen Sammlung sowie seltene Leihgaben aus Privatbesitz geben zwar keinen grundlegend neuen, aber einen so wohl noch nie gebotenen kompakten Überblick über das außergewöhnliche Schaffen der Kreativen. Ausgebildet unter anderem in Berlin und London kam Paula Modernsohn-Becker erst bei Aufenthalten in Paris 1900, 1903 und besonders 1905/06 als eigenständige Künstlerin zur Welt – sie trennt sich von ihrem Mann Otto „und gerät über Monate in ihrem kleine Atelier in einen echten Schaffensrausch“, sagt Matthias Jäger von den Museen Böttcherstraße.

REPORTAGE Churfranken/Miltenberg (cs). Miltenberg ist rot. Nicht etwa, weil das 9000-Einwohner-Städtchen im Nordwestzipfel von Bayern einen sozialdemokratischen Bürgermeister hätte. Ganz im Gegenteil. Sondern weil der historische Ort am Untermain geprägt ist von einem Baustoff, der über Jahrhunderte hier und überall in der Region abgebaut und verarbeitet wrude: der rote Buntsandstein. Vor dem neuen Rathaus am Engelplatz sind wir mit Dorothea Zöller verabredet. Die geborene Miltenbergerin ist nicht nur Förderlehrerin, die Mittsechzigerin ist auch ein sprachgewaltige Chronistin ihrer Heimatstadt. Nur wenige Meter sind es auf unserem Gang durch die Hauptstraße, bis wir das bekannteste Gebäude der Stadt erreichen, den bunten „Riesen“: „Das Fachwerkhaus gilt als ältestes Gasthaus Deutschlands“, sagt Dorthea Zöller. Erstmals erwähnt 1411, logierten hier am wichtigen Handelsweg von Nürnberg nach Frankfurt/M. jahrhundertelang Fürsten und andere Durchreisende. Noch heute ist der „Riesen“ Hotel und Restaurant, in dem man regionale Spezialitäten auf der Karte findet.

REPORTAGE Solingen (cs). Beim Betreten des Museums Plagiarius im Solinger Südpark begrüßt mich gleich an der Information ein schwarzer Gartenzwerg mit goldener Nase. „Das ist unser Preis“, erklärt mir Margit Germershausen schmunzelnd. „Der düstere Geselle symbolisiert die Gewinne, die Fälscher auf Kosten anderer machen“, sagt die ehrenamtliche Mitarbeiterin des deutschlandweit einmaligen Hauses. Ich grinse zurück – selten hat ein Gartenzwerg so viel Haltung gezeigt.
Dann geht es Schlag auf Schlag. Genauer: von Doppelgänger zu Doppelgänger. Rund 350 Originale und ihre oft kaum zu erkennenden Kopien sind auf zwei Etagen im 2006 eröffneten Museum versammelt. Links das Original, rechts die Kopie. Ohne diese strenge Anordnung würden viele Besucher in den meisten Fällen kaum zwischen echt und plagiiert unterscheiden können. Hier ein edler Designerstuhl – und daneben ein wackliger Cousin, der vermutlich schon beim ersten Familienfest zusammenbrechen würde. Ein Schweizer Taschenmesser mit allen Funktionen – neben einem Plagiat, das aussieht, als würde es beim ersten Apfel einknicken. „Manche Plagiate sind so dreist, dass man fast Respekt haben könnte“, sagt Germershausen. Da ist etwa die orange-braune Küchenwaage aus den 1970er Jahren, die exakt wie das Original aussieht – bis auf winzige Nuancen im Markennamen. Oder die Kettensäge eines großen deutschen Markenherstellers neben ihrer Nachahmung aus Fernost (die meisten Fälschungen und Raubkopien der letzten Jahrzehnte stammen aus Asien, Ausnahmen bestätigen eher die Regel) – beide sind für Laien auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden. Wäre da nicht der kleine Dreher im Namensaufdruck: „Sthil“ heißt das Modell rechts, also das Plagiat. Ein „Tippfehler“, der Millionen Euro wert sein kann. Und gleichzeitig ein Sicherheitsrisiko für mögliche Benutzer, denn Prüfungen nach europäischen Standards haben die Billigkopien nicht durchlaufen. Rechtschreibung rettet da womöglich Leben.

KUNST Hamburg (cs/pr). Kunst kommt von Können – und von gutem Marketing. „Anders Zorn hat bewusste Profilierung schon ganz am Anfang seiner Karriere genutzt“, sagt Markus Bertsch „Man kann sogar sagen: Seine Frau Emma war seine erste und lebenslang beste Managerin.“ Und wie zum Beweis der These hat Bertsch jetzt eine Ausstellung kuratiert, die die größte Retrospektive zum schwedischen "Maler-Superstar" geworden ist, die bislang in einem deutschen Museum, möglicherweise überhaupt zu sehen war: Erstmalig präsentiert die Hamburger Kunsthalle in einem repräsentativen Überblick das facettenreiche Schaffen des schwedischen Künstlers Anders Zorn (1860–1920), der in den Jahren um 1900 zu den berühmtesten Künstlen weltweit zählte. In Europa avancierte er zu einem regelrechten Malerstar und in den Vereinigten Staaten ließen sich neben diversen Köpfen der amerikanischen High Society sogar zwei Präsidenten von ihm porträtieren. In Schweden ist Zorn bis heute eine der bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten.

REPORTAGE Kultur Literatur Bayreuth (cs). Wenn Karla Fohrbeck durch den Park von Schloss Fantaisie in Eckersdorf vor den Toren Bayreuths spaziert, denkt sie auch an Richard Wagner. „Dort oben hat der Komponist mit seiner Familie gewohnt, als er 1872 zum ersten Mal nach Bayreuth kam“, erzählt die Kulturwissenschaftlerin und zeigt hoch zum Balkon des Hauses, das unmittelbar neben dem 1758 erbauten Schloss. Fast ein halbes Jahr lebte und arbeitete der Schöpfer des „Rings“ im damaligen Hotel. In Eigentumswohnungen umgewandelt, sei das Wagner-Zimmer heute nur noch selten geöffnet, so die 83-jährige Fohrbeck. Kein Problem, denn wir sind an diesem sonnigen Herbsttag hier wegen eines anderen Künstlers – der nicht mit Klängen von Instrumenten, sondern den Tönen der Sprache gespielt hat: Jean Paul.

KULTUR Ausstellung Nürnberg (cs). Mitten in Europa – und doch mit Handelsbeziehungen in die ganze Welt. Zumindest in die damals bekannte. Das fränkische Nürnberg war schon ab dem Hochmittelalter eine weit verzweigte Stadt, ohne dass man damals schon von Welthandel gesprochen hätte. „Nürnberg GLOBAL 1300–1600“ heißt denn auch die neue Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum (GNM) treffend, die einen ebenso spannenden wie neuen Blick auf die Anfänge der Globalisierung wirft. „Netzwerke und enge Bezüge in die große Welt gab es schon um 1500 und davor“, sagt Daniel Hess. „Die Reichsstadt Nürnberg hatte enge Handelsbeziehungen und war eines der intellektuellen Zentren Europas“, so der Direktor des GNM. Ja, Nürnberg habe eine entscheidende Rolle für die Entstehung globaler Netzwerke überhaupt gespielt: „Seine Verbindungen reichten über die Häfen Venedigs, Spaniens und Portugals bis nach Asien und Amerika.“

REPORTAGE
Hamburg (cs). Sune Haubek ist ein Schiff-Spotter. Fast jeder Tag beginnt für den 54-jährigen mit einem ersten Blick aufs Handy, um die App VesselTracker auf Schiffsanläufe zu überprüfen. Für den Dänen ist das Beobachten von Schiffen allerdings kein Hobby, im Gegenteil. Der aus Jütland stammende Theologe ist seit November 2020 Pastor an der dänischen Seemannskirche in Hamburg – und als solcher für das geistliche Wohl der Besatzungen auf allen Schiffen aus seiner Heimat zuständig, die den drittgrößten Hafen Europas anlaufen. „Eigentlich sind es nur wenige Schritte hinter zu den Landungsbrücken und zur Kaikante“, sagt Sune Haubek zu seinem möglichen Arbeitsweg. Denn mit ihrer Lage an der Ditmar-Koel-Straße im Schatten der berühmten Hauptkirche St. Michaelis mitten in Hamburg-Neustadt – und in direkter Nachbarschaft zu den skandinavischen Kirchen von Schweden, Finnland und Norwegen – liegt das nordische Gotteshaus „Benediktekirken“ fast direkt am Wasser.

NEWS Celle/Kopenhagen (cs). Vor 250 Jahren starb eine der schillerndsten Persönlichkeiten des dänischen Königshauses: Caroline Mathilde (1751–1775). Geboren in England, verheiratet mit nur 15 Jahren mit dem dänischen König Christian VII., gestorben mit nur 23 Jahren im niedersächsischen Celle. Caroline Mathildes Mann zeigte schon früh Anzeichen von (Geistes-)Krankheit, die Fachleute heute für Autismus oder Schizophrenie halten. Doch England war weit weg von Dänemark, das zukünftige Schicksal der Königin kaum zu beurteilen. So wurde die Ehe „per procurationem“ in London fixiert, erst später in Dänemark die Hochzeit gefeiert. Fern ihrer Heimat ignorierte Christian seine neue Frau weitgehend. Dennoch kam zwei Jahre nach dem Jawort Thronfolger Frederik VI. zur Welt. Das Schicksal wendete sich, als Frederik den Arzt Struensee aus Altona zu seinem Leibarzt machte – in den sich Caroline verliebte: der Beginn einer viel beschriebenen Dreiecksbeziehung.

REPORTAGE von Christoph Schumann
Kolding/Hamburg (cs). Irgendwann musste es einfach sein. Einige Jahre schwirrte Carsten Grubach die Idee bereits im Kopf herum. Sogar erste Vorplanungen hatte der dänische Autor schon gemacht – als die Coronapandemie die Reisewege des Endsechzigers kreuzte und das Datum hinausschob. „Im vorletzten Jahr war es dann endlich soweit“, erzählt Carsten Grubach im Gespräch mit unserer Zeitung. „Da bin ich los“, so der Journalist aus Kolding in Südjütland. Das Projekt des Globetrotters: Einmal Deutschland von A bis Z bereisen. Am besten in alphabetischer Reihenfolge und am Stück. Das hieß konkret: von Albersdorf bis Zarpen.

REPORTAGE Wilhelmshaven (cs). Was Stadt und Funktion zusammenbindet, zeigt sich in Wilhelmshaven eindrücklich am Wasser: Weithin sichtbar ragen über dem Verbindungshafen unweit der berühmten Kaiser-Wilhelm-Drehbrücke – Wilhelmshavens historischem Wahrzeichen von 1905/07 an der alten Hafeneinfahrt – Brücken und Aufbauten mehrerer Kriegsschiffe auf. Die Museumsschiffe rund um das größte Museumskriegsschiff „Mölders“ sind das Highlight des Deutschen Marinemuseums, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Geschichte der deutschen Marine seit 1848 zu sammeln und zu erzählen.

PORTRÄT Bildung Kiel (cs). Auch die letzten Zahlen waren wieder eindeutig: In der letzten PISA-Studie, die seit rund einem Vierteljahrhundert regelmäßig die Fähigkeiten europäischer Schüler ermittelt, schneiden Jugendliche hierzulande im Lesen und Schreiben, aber auch in Mathematik und Naturwissenschaften generell schlechter ab als noch 2018. Der Trend gilt zwar in vielen OECD-Ländern. Aber bei uns waren laut der vom Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien an der TU Münschen ermittelten Zahlen die Leistungsrückschläge „überdurchschnittlich hoch“, so die Experten. Anders gesagt: Etwa ein Drittel der 15-Jährigen hat in mindestens einem der drei Bereiche nur sehr geringe Kompetenzen. Dabei ist doch gerade die junge Generation der Hoffnungsträger der Zukunft. Einer, der es wissen muss, nett diese Lage sogar dramatisch: „Wenn fast dreißig Prozent unserer 15 Jahre alten Schülerinnen und Schüler zur Risikogruppe in Mathe gehören und weitere fünfundzwanzig Prozent zur Risikogruppe beim Lesen, dann ist das dramatisch“, sagt Olaf Köller im Gespräch mit unserer Zeitung. Damit erfüllten die Lernenden nicht einmal das Mittelstufensoll, so der Professor am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) in Kiel.

REPORTAGE Hamburg (cs). Nackt steht der ICE mit der Nummer 9018 und dem Namen „Freistaat Bayern“ in der riesigen Halle, während seine Bugnase vorsichtig an zwei Haken zur Hallendecke gehoben wird. Drei Techniker dirigieren die schwebende, große Front des ICE 4. Ohne Scheinwerfer und Abdeckung wird der direkte Blick auf Kupplung, Puffer, Kabelanschlüsse und Hupe frei. „Die Bugnase des Zuges ist aus glasfaserverstärktem Kunststoff und wurde bei einem Wildunfall beschädigt“, erklärt Bernhardt Richter. Und zeigt auf ein Ersatzteil, das am Kopfende des Montagegleises bereits zum Austausch bereitliegt und in wenigen Minuten an die Stelle der alten Abdeckung gesetzt wird.

REPORTAGE von Christoph Schumann
Alveslohe, Föhr (cs). Plötzlich war der Laden geschlossen. Seit rund fünfundvierzig Jahren lebt Regina Deilke in Alveslohe, aber ein Lebensmittelgeschäft habe es in dem ländlich geprägten Ort immer gegeben. „Und dann war 2017 einfach Schluss“, erinnert sich die 67-Jährige. Und zum ersten Mal waren die knapp 2900 Einwohner des nahe Henstedt-Ulzburg gelegenen Städtchens gezwungen, alle Einkäufe auswärts zu erledigen. „Nur ein Bäckereiwagen und der Hähnchengrill schauten einmal in der Woche noch vorbei“, sagt Deilke über die langen Monate ohne Nahversorgung. Dass es so nicht bleiben konnte, war den Alveslohern schnell klar. „Zumal wir rasch mehrere Zielgruppen ausmachten“, so Deilke. „Zum einen ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind. Genauso fehlte aber auch ein Angebot für Familien, Kinder und Schüler.“ Offen war lange nur die Frage, was die Versorgungslücke schließen könnte – und wie man dies angehen könnte.

MUSEUM und GESCHICHTE Neumünster (cs). Kürzlich war ich zum ersten Mal in einem besonderen Museum, das ich in Neumünster gar nicht erwartet hatte: Im Textilmuseum „Tuch + Technik“ dreht sich alles um zwei der ältesten Handwerkstechniken der Welt – das Spinnen und das Weben. Denn was schon nach wenigen Jahrzehnten fast vergessen ist: Das norddeutsche Neumünster galt lange als „Manchester Holsteins“ wegen seiner zahlreichen hier ansässigen Tuchmacher und ihren Familien. Die hatten sich im Zuge der industriellen Revolution hier angesiedelt und prägten den zuvor kleinen Marktflecken über eineinhalb Jahrhunderte.

PORTRÄT Loose/Eckernförde (cs). Manchmal muss Heiko Mielke richtig schnell sein. Wenn ihn während einer Vorstellung die Zuschauer in freudig-befreiter Stimmung immer enger umringen, ja fast einzukesseln drohen, hilft ab und an nur der Sprung auf ein improvisiertes Podium in der Nähe. So wie vor einigen Jahren in einem Flüchtlingslager in Syrien: „Damals wurden wir von begeisterten Kindern derart gefeiert, dass nur ein beherzter Sprung auf einen Container das Weiterspielen möglich gemacht hat – schon hatten wir eine kleine Bühne, auf der uns alle sehen und hören konnten“, erinnert sich der 64-Jährige an einen seiner zahlreichen Auftritte in aller Welt.

REPORTAGE Pinneberg/Flintbek (cs). Ein Tortenheber, der Kuchen ohne umzufallen auf den Teller bringt. Eine Gummimanschette, die verhindert, dass Kaminholz beim Spalten vom Bock auf den Boden fällt. Ein Bett-Schalfsystem, das Lattenrost und Matratze zu einer Einheit vereint. Ein Wasserrad, das aus Modulen zusammengesetzt ist, die sich je nach Einsatzort und Größe einsatzgenau anpassen lassen. Oder ein Kühlschrank, der verderbliche Lebensmittel über das angegebene Haltbarkeitsdatum genießbar macht – und so der Verschwendung von Nahrungsmitteln vorbeugt. Das sind nur einige der Ideen, die der Erfinderclub Schleswig-Holstein e.V. hervorgebracht hat. „Sagen Sie bloß nicht, wir wären Tüftler“, warnt mich Hartmuth Drews gleich bei der Begrüßung mit einem Augenzwinkern. „Wir sind nämlich keine Nerds oder Verrückten, sondern eher Entwickler“, ergänzt der gelernte Bauingenieur. Um mich ohne Umschweife in seine Welt zu entführen: die Ideenwerkstatt im Keller. „Haben nicht alle Erfinder ihr Reich im Keller oder in der Garage?“, fragt Drews, der als zweiter Vorsitzender des Erfinderclubs von Pinneberg-Waldenau aus mit lenkt. „Auch so ein Klischee, das selten bis nie zutrifft.“

REPORTAGE
Greifswald (cs). Wer mit der Regionalbahn von Stralsund aus kommend nach Greifswald fährt, erkennt selbst bei grauem Frühwinterwetter schon von Weitem die Türme der zahlreichen Kirchen – allen voran die mächtigen Spitzen von St. Jacobi und dem Dom St. Nikolai. Reisende werfen damit fast den gleichen Blick auf die Hansestadt wie ihr wohl größter Sohn: „Caspar David Friedrich malte als einziger überhaupt Greifswald mit Wall, Stadttoren und Kirchen von den damals noch sehr moorigen Wiesen im Westen aus“, sagt Julia Kruse. „Allerdings hob der Romantiker die Kirchtürme höher in den Himmel als sie tatsächlich waren – Friedrichs Werke sind nie realistische Abbilder der Welt“, so die Expertin vom Pommerschen Landesmuseum in Greifswald weiter, mit der ich kurz nach meiner Ankunft verabredet bin.

NEWS Dresden (Dresden Marketing/pr). Es ist die besondere Mischung aus Tradition und neuen Erlebnisangeboten, aus herzerwärmenden Geschichten und kulinarischen Highlights, die den Zauber von Dresden Elbland speziell in der Weihnachtszeit ausmacht. Dass der Dresdner Striezelmarkt 2024 zum 590. Mal stattfindet, steht symbolisch für die Verankerung von Advents- und Weihnachtstraditionen in Dresden und der Region Elbland. Wenn er am 27. November 2024 mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Dresdner Kreuzkirche eröffnet wird, dann ist das auch der Start für viele weitere Weihnachtsmärkte in Dresden Elbland, allein zehn in der sächsischen Landeshauptstadt. Entsprechend der besonderen Akzente, die die Märkte setzen, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ob erzgebirgische Holzkunst, Blaudruckstoffe aus der Lausitz, Herrnhuter Sterne oder Original Dresdner Christstollen, das sächsische (Kunst-)Handwerk steht im Mittelpunkt des Dresdner Striezelmarktes. Darüber hinaus gibt es täglich jede Menge Unterhaltung auf dem Traditionsmarkt und an den Wochenenden große Spektakel wie das Dresdner Stollenfest am 7. Dezember 2024, bei dem ein tonnenschwerer Riesenstollen von einem großen Festumzug zum Dresdner Striezelmarkt begleitet wird.

REPORTAGE von Christoph Schumann
Dresden (cs). Von seiner Wohnung im Haus An der Elbe 9 hatte Caspar David Friedrich freien Blick auf Elbe und das gegenüberliegende Ufer der Neustadt. Heute versperrt die viel befahrene Carolabrücke den Blick vom heutigen Terrassenufer, den der aus Greifswald stammende Maler auch von seinem Atelier genoss. „Obwohl Friedrich ja als Künstler innerer Landschaften gilt und nur die wenigsten Bilder naturalistische Genauigkeit haben“, sagt Anett Orzyszek. 1798 kam Caspar David Friedrich (1774 –1840) nach Dresden – mehr als vierzig Jahre lang blieb die Stadt der Frauenkirche sein Lebens- und Schaffensmittelpunkt. Viele Jahre davon wohnte Friedrich Tür an Tür mit seinem Freund und Berufskollegen, dem Norweger Johan Christian Dahl. „Beide schufen zahlreiche ihrer Hauptwerke hier an der Elbe“, erklärt Orzyszek, mein aus Dresden stammender Guide beim Gang auf den Spuren des gefeierten Romantikers. „In der nahe gelegenen Gemäldegalerie Alter Meister setzte Friedrich sich mit Werken Alter Meister auseinander“, so Orzyszek von Elblandtours. „Und vor allem rund um Dresden fand der begeisterte Wanderer an der Elbe oder im Elbsandsandsteingebirge immer wieder Inspiration und Motive für seine Kunst.“

AUSSTELLUNGSBESUCH von Christoph Schumann
Oberhausen (cs). Kaum durch die schwere Tür zur Ausstellung gegangen, wird man fast magisch angezogen vom großen Dreieck gleich gegenüber. Vielleicht zwei mal zwei Meter ist das glänzende Trigon auf schwarzem Hintergrund groß. Das Prisma zerlegt einen weißen Lichtstrahl in seine Spektralfarben, die bunt die rechte Hälfte des Bildes füllen. Besucher der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen, die der Boomergeneration der 1960er und 70er angehören – und das ist die Mehrheit – nimmt das raumgreifende Bild mit auf eine Zeitreise. Denn das symbolgeladene Dreieck ziert eines der legendärsten Alben der Rock- und Postgeschichte: Pink Floyds „The Dark Side of the Moon“, das vor wenigen Monaten seinen fünfzigsten Geburtstag feierte.

REPORTAGE Zwiesel (cs). Wenn die Glaskönigin von ihrer Kunst spricht, kommt sie schnell ins Schwärmen: „Glas ist ein Werkstoff, der sich schnell verändert“, sagt Susanne Glanzner. Seit dem Sommer amtiert die 30-Jährige, die an der renommierten Glasfachschule in Zwiesel gerade ihre Ausbildung zur Glasmacherin absolviert, für einen der über Jahrhunderte wichtigsten Berufe im Bayerischen Wald. Hunderte Glashütten gab es in der Grenzregion zwischen Donau und dem tschechischen Böhmen, deren Blütezeit mit der Erzeugung von immer mehr Massenware und Abwanderung ganzer Betriebe in Billiglohnländer heute nur noch wenige überlebt haben. Darunter aber bekannte Namen wie Zwiesel Kristallglas, das nur wenige Gehminuten von der Glasfachschule – mit 260 Schülern und Schwerpunkten für Glasbläser, Glasmacher, aber auch Glasapparatebauer, Schleifer, Graveure und viele mehr eine der großen deutschlandweit – entfernt liegt

NEWS Schneverdingen/Undeloh (cs). So schön hat die Lüneburger Heide in den letzten Jahren selten geblüht: Bei einer Wanderung von Wintermoor nach Schneverdingen haben wir am vergangenen Wochenende einen echten Blütentraum erleben können – so schön wie jetzt im August hat die Heide in den vergangenen Jahren selten, ja nie geblüht. Ein Grund mehr, die norddeutsche Kulturlandschaft zu erwandern. Unser persönlicher Eindruck wird untermauert vom offiziellen "Messgerät" der Touristiker vor Ort: Das "Heideblütenbarometer" steht zurzeit auf 100 Prozent - also nichts wie in die Heide. Am besten zu Fuß auf einer Wanderung. Oder per Rad.
Und weil Tradition auch sein muss, gibt es natürlich auch etwas zu feiern: Am Wochenende feiert Schneverdingen sein alljährliches Heideblütenfest. Los geht es am Donnerstag, 24. August. Höhepunkt ist die Krönung der Heidekönigin am Sonntag, 27. August, ab 15 Uhr. Mehr Infos findet ihr hier.

Von Christoph Schumann
REPORTAGE Hamburg (cs).Still steht ein Graureiher im flachen Wasser des Mühlenteichs und genießt die Vormittagssonne. In Ufernähe schwimmt eine Entenfamilie mit ihren Jungen, immer in Reichweite des sicheren Nests. Erst wenige Schritte sind Hannelore Fielitz und ich von unserem Treffpunkt am S-Bahnhof Hamburg-Ohlsdorf auf dem Alsterwanderweg gegangen und schon wirkt es, als lägen Großstadtlärm und -hektik bereits Stunden hinter uns. „Der Alster von hier nach Norden zu folgen, gehört für mich zu den schönsten Wanderungen Hamburgs“, sagt die 67-Jährige. „Denn sobald man unter der Brücke am Ratsmühlendamm die Hektik der quirligen Viertel Fuhlsbüttel und Ohlsdorf hinter sich lässt, taucht man ein in den Blätterwald am Fluss und ist ganz von Natur umgeben.“

Von Christoph Schumann
PORTRÄT Hamburg (cs). Kiezgröße? Nein, dazu gehöre er nun wirklich nicht, sagt Karl Schultz. „Obwohl mich natürlich fast jeder hier auf Sankt Pauli kennt.“ Kein Wunder, denn das ›Haus‹ des 65-Jährigen liegt direkt an der Großen Freiheit 43, gleich gegenüber vom berühmten Musikclub „Große Freiheit 36“. Und zum Freundeskreis des umtriebigen Schultz gehören auch bekannte Kiezlegenden wie Dragqueen Olivia Jones, deren Bar nur wenige Schritte entfernt liegt, oder Impressario Corny Littmann, dessen „Schmidts Tivoli“ noch heute für die Neuerfindung des weltbekannten Rotlichtviertels als Club- und Musikviertel steht.

Von Christoph Schumann
PORTRÄT Uetersen (cs). Kaum habe ich die Tür zum Fabrikshop im zweistöckigen Klinkerbau geöffnet, umweht mich der angenehme Geruch von weichem Leder. Im Geschäft fällt der Blick auf bunte Ledergürtel, die in allen Farben von klassischem Schwarz und Braun bis Rot oder Gelb die Wände des historischen Gebäudes füllen. Auf kleinen Tischen und Aufstellern liegen Accessoires wie Schlüsseletuis, Stifteetuis und Portemonnaies, stehen Damentaschen oder liegen Schreibtischunterlagen. Seit fast zweihundert Jahren gehört Ludwig Schröder fest zum Firmenleben im südholsteinischen Uetersen. „Davon etwa die Hälfte der Zeit an unserem jetzigen Standort an der Stadtgrenze zu Tornesch“, erzählt Katharina Schröder, die den Familienbetrieb für Lederwaren in der siebten Generation führt.

Reportage von Christoph Schumann
Pottenstein (cs). Dass die Schönheit der Natur gleich vor der Haustür liegt und am besten erwandert werden will, entdeckten in Pandemiezeiten wie diesen selbst Weltreisende und
Unsportliche. Neu ist die Erkenntnis nicht, im Gegenteil. Die Fränkische Schweiz ist „ein in den schönsten Punkten nur dem Fußwanderer zugänglicher Gebirgsstrich zwischen Bamberg, Nürnberg und
Bayreuth (. . .) meine Erwartungen wurden weit übertroffen, ich fand es schöner, großartiger und origineller, als ich vermutet“, schriebt der Dichter Victor von Scheffel. Nicht 2021, sondern
1859. Machen wir die Probe aufs Biedermeier-Deutschland, das vieles (noch) verklärter sah als die Gegenwart und starten zu einer Wanderung, die uns auf etwa 20 Kilometern durchs Herz der Region
führt.

Von Christoph Schumann
REPORTAGE Bad Zwischenahn (cs). Endlich ans Meer! Doch wer im Sommer einen – womöglich sogar noch ruhigen – Platz an der norddeutschen Küsten finden will, muss Glück oder einen ausgeprägten Sinn für die letzten wirklich geheimen Stellen an Nord- und Ostsee haben. Und am besten sogar beides. Ganz anders das Bild in diesen Tagen in Bad Zwischenahn: Entspannt bummeln Gäste durch Kurpark und entlang der Promenade am „Meer“, dem mit fünfeinhalb Quadratkilometern drittgrößten Binnensee Niedersachsens. Sogar im kleinen Strandbad mit seinem überschaubaren Strand lässt sogar für Familien immer genug Platz für Sonnen- oder Picknickdecke finden. Und bei einer Wassertemperatur von gut zwanzig Grad haben nicht nur Kinder Spaß beim Sprung ins Zwischenahner Meer, das vor rund zwölftausend Jahren nach dem Einbruck eines unterirdischen Salzstocks entstand. Auch beim Bummel durch das nahe gelegene Freilichtmuseum mit seiner Mühe und historischen Ammerländer Bauernhäusern ist Abstandhalten kein Problem.

Von Christoph Schumann
PORTRÄT Hamburg/Eckernförde (cs). Es gibt Tage, da kommt auch Stefan Heine ins Schwitzen. Nicht, weil der Hamburger an einer unlösbare Sudoku-Aufgabe knobelte. Oder weil der von Kennern zu Deutschlands „Rätselpapst“ ernannte Freiberufler einer neuen Herausforderung für seine zahlreichen LeserInnen arbeitet. Sondern schlicht, weil die Sommerhitze den Hof von Heines kombiniertem Wohn-Geschäfts-Hauses im Nordwesten der Hansestadt ungewohnt kräftig aufheizt. So wie beim Gespräch unserer Zeitung vor wenigen Tagen. Gleich anfangs stellt der 52-Jährige richtig: „Rätselpapst ist wirklich nicht meine eigene Einschätzung – ich nenne mich schlicht Rätselmacher. Das trifft das, was ich mache, viel besser.“

NEWS Emsland (pm). Eine Tourenplanung per Zahlenkombination ist bei Radfahrern mittlerweile bekannt und beliebt. Nach gleichem Muster ist nun auch das Wandern nach Zahlen in der deutsch-niederländischen Grenzregion möglich. Das Besondere dabei: die einheitliche Wegweisung beiderseits der Grenze verbindet auf 400 Kilometern die schönsten Landschaftsräume des Internationalen Naturparks miteinander. Neben dem niederländischen Naturreservat Bargerveen und den Moorgebieten auf deutscher Seite sind dies vor allem die Ems- und Heidelandschaft sowie die waldbestandenen Dünengebiete zwischen Haren (Ems) und Lingen (Ems).

Von Christoph Schumann
PORTRÄT Hamburg (cs). Eigentlich wollte John Griffith schon im letzten Sommer in Pension gegangen sein. Eigentlich. Und wieso überhaupt „schon“? Denn mit 71 Jahren erfreuen sich andere LehrerInnen in der Regel meist schon länger über den gern so genannten Unruhestand. Doch als der gebürtige Australier gefragt wurde, ob er sich nicht vorstellen könne, doch noch ein weiteres Schuljahr am anzuschließen, war die Entscheidung schnell gefasst: „Ich wollte nicht aufhören, dazu hänge ich zu sehr an meinem Beruf“, sagt der Englischlehrer am Deutsch-Französischen Gymnasium (DFG) in Hamburg mit Blick zurück auf das vom Coronavirus überschattete Frühjahr 2020. „Das Unterrichten war für mich noch nie Arbeit im Sinne von Büro- oder sogar Fließbandarbeit, sondern Berufung statt Beruf. Ich genieße den Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern – heute genauso wie vor mehr als vierzig Jahren, als ich nach dem Studium erste Erfahrungen sammeln konnte.“ Dazu war Griffith klar, dass seine SchülerInnen infolge des ersten Lockdowns samt mehrmonatigem Homeschooling vor fast einem Jahr Nachteile und Wissenslücken im Unterrichtsstoff hatten, die er aktiv helfen wollte zu schließen.

Von Christoph Schumann
Hamburg. Beim Eintreten wirkt das Atelier von Ina Hattebier in Hamburg-Altona wie andere Künstlerwerkstätten auch. Der hohe Raum – einst die Kantine der Alten Dosenfabrik, die heute fast 30 arbeitende KünstlerInnen unter einem Dach versammelt – ist hell, geräumig, randvoll mit Schränken und Regalen voller Arbeitsmaterial sowie weit ausladenden Arbeitstischen. Wäre da nicht der zweite Blick auf den Werktisch vor dem Fenster: Handelt es sich bei den konisch geformten Gefäßen mit Deckel etwa um – Urnen? „Der Eindruck trügt nicht“, sagt Ina Hattebier und muss dabei fast lächeln. „Ich bin von ganzem Herzen Künstlerin“, so die unter anderem an der Hochschule für Bildende Kunst in der Freien- und Hansestadt ausgebildete Kreative weiter, „und dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit den Grenzbereichen des Lebens. So hat der Tod sich allmählich in mein Leben geschlichen.“

Von Christoph Schumann
REPORTAGE Hamburg. Seit Montag steht fest, dass die Impfungen gegen das Coronavirus hierzulande unmittelbar nach Weihnachten beginnen können. Doch je näher der Impfstart rückt, umso größer scheint auch die Skepsis gegenüber der Impfkampagne zu werden. Wollten sich laut Umfragen im Frühjahr auf dem Höhepunkt der ersten Welle noch rund 70 Prozent aller Deutschen auf jeden Fall gegen SARS-CoV-2 impfen lassen, sank die Zahl zuletzt auf um die 50 Prozent und darunter. Wie geteilt Deutschland in der Frage nach der Corona-Impfung ist, belegt auch eine vor wenigen Tagen veröffentlichte repräsentative Umfrage einer bekannten Versicherung. Danach wollen sich von mehr als 2000 Befragten sogar nur rund 36 Prozent auf jeden Fall schützen lassen. Auffällig dabei ist der mit 43 Prozent höhere Anteil der Männer, die sich für eine Impfung aussprechen, im Vergleich zu lediglich 31 Prozent der Frauen.

Von Christoph Schumann
INTERVIEW Hamburg. Der Hamburger Psychiater und Psychotherapeut Michael Stark forscht seit Jahrzehnten zur Bedeutung von Urlaub und Reisen – auch in Corona-Zeiten rät er zu Abstand vom Alltag und allen, die in den bevorstehenden Herbstferien daheimbleiben, zu kleinen Fluchten in die Region
Herr Prof. Stark., Sie gelten als einer der führenden Urlaubsforscher Deutschlands, wenn es um die seelischen Vorzüge einer Reise geht. In diesem Jahr mussten und müssen viele Menschen auf eine Reise verzichten. Kann man sich trotzdem erholen?
Michael Stark: Urlaub bedeutet üblicherweise, aus Alltag und Routine auszubrechen. Das zeigt schon die Herkunft des Wortes: Das mittelhochdeutschen „urloup“ bedeutete „Erlaubnis“. Gemeint war mit Urlaub später in Zeiten der Industrialisierung die Erlaubnis, sich eine Zeitlang von der Arbeit zurückziehen zu dürfen. Und zu können – was zunächst finanziell auch nicht jedem Arbeiter möglich war. Ich bin überzeugt davon, dass Urlaub sein muss.

Von Christoph Schumann
Reportage. Bad Rothenfelde. Irgendwann stürzte Bad Rothenfeldes größte Attraktion dann einfach ein. Ob ein tieffliegender Militärjet oder doch nur kräftiger Wind die Ursache für den Teileinsturz des mehr als 200 Jahre zuvor aus Holz errichteten Alten Gradierwerks im Jahr 1989 war, konnte nie abschließend geklärt werden. Wichtig aber war der Wille zum Neuanfang. „Und den hatten alle hier im Ort“, erzählt Hans-Peter Fröbel beim Rundgang zu dem ursprünglich zur Salzgewinnung errichteten 175 Meter langen Meisterwerk der Handwerkskunst, an dessen Kopfende seit den 1930er Jahren ein Hochbehälter in Bauhausarchitektur steht. 1724 nämlich wurde in 3000 Metern Tiefe unter dem heutigen Kurort ein Salzstock des sogenannten Zechsteinmeeres entdeckt, der bis heute Quellsole liefert. Bis zur Schließung des lokalen Salzwerks 1969 diente das erste Gradierwerk ebenso wie das gleich gegenüber liegende Neue Gradierwerk ausschließlich industriellen Zwecken und der Erhöhung des Salzanteils von fünf auf fünfundzwanzig Prozent für den florierenden Salinenbetrieb.
Von Christoph Schumann
REPORTAGE. Siebeneichen (Kreis Herzogtum Lauenburg; cs). Die Schranke quietscht leicht, als Olaf Murnau (52; Name auf eigenen Wunsch geändert) die schwere Sicherung hebt, um neue Fahrgäste auf die „SF 74“ zu lassen. Ein halbes Dutzend Radfahrer und ein Auto warten in Fitzen auf die Überfahrt über den Elbe-Trave-Kanal. Unter den wachsamen Augen des hauptamtlichen Fährmanns Rainer Müller weist der werdende Kapitän, der noch in diesem Sommer sein Fährpatent ablegen möchte, die Passagiere auf die schwimmende Kanalüberquerung, die seit dem Bau der wichtigen Binnenschifffahrts-Verbindung zwischen Elbe und Ostsee im Jahr 1900 als Ersatz für eine einst hier im Herzogtum Lauenburg verlaufende Straße dient. „Vor allem für die Kinder im kleinen Fitzen war die damals noch handbetriebene Seilzugfähre wichtig“, erzählt der 38-jährige Müller, während Olaf Murnau die „SF 74“ (für Seilzugfähre) startklar macht: „In Fitzen wohnten nämlich viele Familien – die Volksschule lag aber in Siebeneichen auf der westlichen Seite des neuen Kanals“.
NEWS. München. Die Deutschen schmieden auch in der Corona-Krise Reisepläne: Wie eine Sonderstudie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR) im Auftrag des VIR und zahlreichen anderen Touristikunternehmen zeigt, ist die Urlaubslust in der Bevölkerung groß. Rund die Hälfte der Befragten ist sich sicher, in diesem Jahr noch verreisen zu wollen. Lediglich 19 Prozent haben keine Reisepläne. Mit 60 Prozent gab die überwiegende Mehrheit an, sich trotz Corona-Krise in 2020 eine Urlaubsreise leisten zu können, und auch die Zeit dafür zu haben.Das meldet die Agentur Wilde heute in einer Pressemitteilung. Primär wichtig ist deutschen Reisenden dabei, vor allem zu entspannen und abzuschalten – erst danach folgt der Badeurlaub als bevorzugte Urlaubsform vor Familien-, Natur- und Aktivurlaub. „Aber auch Städtereisen und Kreuzfahrten schneiden in unserer Umfrage nicht schlecht ab“, betont Ulf Sonntag, Leiter Marktforschung bei der FUR.
