„Kinder sind mehr als Zuschauer des Lebens von Erwachsenen“

Die dänische Erziehungswissenschaftlerin Lene Tanggard forscht und lehrtin Aalborg. Foto: privat
Die dänische Erziehungswissenschaftlerin Lene Tanggard forscht und lehrtin Aalborg. Foto: privat

DÄNISCHE FORSCHUNG Aalborg (cs). Am späten Nachmittag herrscht zuhause wie üblich viel Trubel. Die Kinder sind in ihren Zimmern. Es geht auf achtzehn Uhr. Was heißt: Wir müssen uns beeilen, noch kochen, die Wäsche wegräumen und etwas aufräumen. Schließlich wollen wir noch etwas Zeit gemeinsam verbringen, ehe die Kleinen ins Bett gehen. So normal, so richtig. Oder etwa nicht? „Nicht unbedingt“, sagt Lene Tanggaard. Denn Kinder wachsen und entwickeln sich am besten, wenn sie selber mithelfen, wenn sie Verantwortung übernehmen und spüren, dass Erwachsene ihnen vertrauen und sie zu ihren Beiträgen ermutigen, so die Professorin für Pädagogische Psychologie an der Universität im norddänischen Aalborg. „Das stärkt das Wohlbefinden des Nachses. Sein Selbstwertgefühl und sein Zugehörigkeitsgefühl“, so die Expertin. Anders ausgedrückt: Die Entwicklung von Kindern findet vor allem in sozialen Kontexten statt – zum Beispiel, wenn sie beim Kochen mithelfen.

mehr lesen

Seit etwa 200 Jahren gibt es dänisches Wienerbrød: Kultgebäck mit städtischem Namen

Süß, frisch und vielfältig: Wienerbrød oder "Kopenhagener" gibt es in Dänemark in vielen Varianten. Foto: VisitDenmark/PR
Süß, frisch und vielfältig: Wienerbrød oder "Kopenhagener" gibt es in Dänemark in vielen Varianten. Foto: VisitDenmark/PR

DÄNISCHE TRADITION UND GENUSS Kopenhagen (cs). Die Verlockung beginnt schon auf dem Frühstückstisch. Denn neben, genauer nach Brötchen oder Brot gehört ein kleines Stück Gebäck fest zum dänischen Morgenritual: das Wienerbrød. Meist am Sonntag, wenn mehr Zeit zum In-den-Tag-Starten ist. Gern aber auch in der Woche, wenn Däninnen und Dänen den Kaffee im Stehen schon auf dem Weg zur Tür trinken. Auswahl und Sorten sind vielfältig wie die dänische Küste: Ob Kanelsnegle (Zimtschnecken), Spandauer (rundes Teilchen mit Vanillecreme), ob Brunsviger (Hefeteig mit braunem Zucker) oder Tebirkes (mit Mohn) – die kleinen, handlichen Gebäckstücke zählen zu den berühmtesten Spezialitäten Dänemarks. Und, klar, Wienerbrød wird nicht nur früh, sondern genauso (auch) am Nachmittag als süßer Snack genossen. Wienerbrød ist Symbol für Hyggge und ein Klassiker dänischer Backkunst, die belegt, was ein Bäcker kann. Oder was nicht.

mehr lesen

Påske: Warum Ostern in Dänemark so gelb ist

Frohe Ostern - "God påske" wünscht man sich in Dänemark. Foto: Christoph Schumann, 2026
Frohe Ostern - "God påske" wünscht man sich in Dänemark. Foto: Christoph Schumann, 2026

DÄNISCHE KULTUR und GESELLSCHAFT Kopenhagen (cs). Wer jetzt im Frühling durch dänische Städte oder über Land fährt, sieht vor allem eine Farbe: gelb. Fenster, Tischdecken, Servietten, Kerzen und selbst Süßigkeiten sind häufig in leuchtenden Gelbtönen gehalten. Der Grund: Das dänische Osterfest Påske – ursprünglich vom Hebräischen Pesach- oder Passah-Fest – hat sich im Laufe der Zeit zu einem Fest entwickelt, bei dem der intensive Farbton zu einer Art Markenzeichen geworden ist, während bei uns zu Ostern eher zurückhaltende Pastelltöne bis bunte Farbenvielfalt vorherrschen. Der Grund liegt in der Natur: Ostern fällt in Skandinavien in eine Jahreszeit, in der der Winter zwar endet, der Frühling aber gerade erst beginnt. Während viele Bäume noch kahl sind, erscheinen die ersten kräftigen Farbtupfer in der Landschaft: Narzissen und andere Frühblüher, die auf Dänisch „påskeliljer“ – also Osterlilien – heißen. Ihr leuchtendes Gelb symbolisiert Licht, Wärme und den Neubeginn nach den dunklen Wintermonaten. Diese starke Farbigkeit hat sich über Generationen in der Osterdekoration etabliert.

mehr lesen

Tønder in Süddänemark: Neues Museum ehrt dänische Design-Ikone Hans J. Wegner und seine Stühle

Das neue Wegner Museum hat sein Zuhause im Hof Hestholm bei Tønder. Foto Entwurf: PR/COBE 3 © COBE
Das neue Wegner Museum hat sein Zuhause im Hof Hestholm bei Tønder. Foto Entwurf: PR/COBE 3 © COBE

NEWS KULTUR und DESIGN Tønder (vdk/pr). Am 2. April 2026 eröffnet im süddänischen Tønder unweit der deutschen Grenze ein neues Museum zu Ehren des berühmten Möbeldesigners Hans J. Wegner (1914 bis 2007). Der dänische „Meister der Stühle“ entwarf in seinem Leben fast 500 Stühle, viele davon gelten als Ikonen der Designgeschichte. Die erste Ausstellung des neuen Museum Wegner zeigt nun in den umfassend restaurierten Räumlichkeiten eines historischen Hofes in der Tøndermarsch die verschiedenen Schaffensprozesse des Designers und seinen Einfluss auf die Geschichte dänischen Wohndesigns.

Zukünftig sind auch wechselnde Ausstellungen sowie in einer zweiten Phase ein Museumsanbau aus der Feder des Architektenbüros COBE geplant.

mehr lesen

Dänemarks neue Münzen: Den neuen Monarchen König Frederik X. in den Händen halten

Dänemarks Monarch Kong Frederik X. bei der ersten Entgegennahme "seiner" neuen Münzen in Schloss Amalienborg. Foto: Kongehuset
Dänemarks Monarch Kong Frederik X. bei der ersten Entgegennahme "seiner" neuen Münzen in Schloss Amalienborg. Foto: Kongehuset

Dänische Wirtschaft und Gesellschaft Kopenhagen (cs). Neuer König – neue Münzen. Wer jetzt oder in Kürze nach Dänemark reist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit schon beim ersten Einkauf den seit zwei Jahren regierenden Monarchen Frederik X. In seinen Händen halten. Vorausgesetzt natürlich, man zahlt bar und nicht wie immer mehr Däninnen und Dänen bargeldlos mit Karte, Handy oder Smartwatch. Ganz digital ist aber selbst unser nördliches Nachbarland nicht – und soll es laut dänischer Nationalbank auch nicht werden: Jüngst empfahlen Experten aus Kopenhagen, dass alle Haushalte im Königreich mindestens 250 Kronen (ca. 35 Euro) pro Person an Bargeld vorrätig haben sollten. Sicher ist sicher. Denn Bezahlsysteme, Internetleitungen oder sogar der Strom könnten – wie kürzlich auf Bornholm geschehen – ja einmal komplett ausfallen.

Doch zurück zum Regenten, der 2024 seiner Mutter Margrethe II. auf den Thron folgte. Im Dezember brachte Dänemarks zentrale Notenbank neue Münzen in Umlauf, auf denen der amtierende König zu sehen ist: Auf der Vorderseite der neuen 20- und 10-Kronen-Münzen ist ein Porträt von Frederik X., das von der dänischen Künstlerin Eva Hjort geschaffen wurde. Es zeigt den Familienvater im Profil und mit Bart. 

mehr lesen

Der "Apostel des Nordens": 1200 Jahre Ansgar in Hamburg, Norddeutschland und Skandinavien

Statue des Hl. Ansgar auf der Trostbrücke in der Hamburger Innenstadt. Foto: Christoph Schumann, 2026
Statue des Hl. Ansgar auf der Trostbrücke in der Hamburger Innenstadt. Foto: Christoph Schumann, 2026

HINTERGRUND Hamburg/Kopenhagen (cs). Als der Benediktinermönch Ansgar im Jahr 826 nach Dänemark aufbrach, war die Christianisierung Skandinaviens ein Wagnis. Heidnische Kulte, fragile Machtverhältnisse und große Entfernungen prägten den Norden Europas. Trotz mancher Rückschläge gilt Ansgar (801–865) bis heute als der „Missionar des Nordens“ – und als Wegbereiter einer Entwicklung, deren Beginn sich in diesem Jahr zum 1200. Mal jährt.

Ansgar stammte aus dem fränkischen Reich, kam vermutlich in Nordfrankreich zur Welt, und kommt mit fünf Jahren ins Benediktinerkloster Corbie. Dort hat der Gläubige wohl 821/822 eine Vision und gründet noch im selben Jahr das Reichskloster Corvey an der Weser. Ansgars erster Missionsauftrag war politisch eingebettet: Kaiser Ludwig der Fromme unterstützte in jener Zeit die Ausbreitung des Christentums auch als Mittel diplomatischer Stabilisierung. Anlass für Ansgars erste Reise nach Norden war die Taufe des dänischen Königs Harald Klak, den Ansgar 826 nach Dänemark begleitete. Der Versuch, das Christentum über den Königshof zu etablieren, scheiterte jedoch bald an Machtkämpfen.

mehr lesen

Dänemarks Regierung unterstützt deutschsprachige Minderheit in Südjütland mit neuen Verpflichtungen

NEWS Kultur Kopenhagen/Flensburg (cs). Dänemarks Regierung hat sich in der vergangenen Woche zu neuen Aktivitäten gegenüber der deutschen Minderheit im Königreich bzw. in Nordschleswig. Insgesamt hat die Regierung von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen beschlossen, elf neue Verpflichtungen im Rahmen des Sprachpakts einzugehen. Die Regierung möchte betonen, wie wichtig es ist, dass die deutsche Minderheit gute Voraussetzungen hat, um die deutsche Sprache, ihre Kultur und ihre nationale Identität zu bewahren, heißt es in einer Pressemitteilung des dänischen Kulturministeriums. Deshalb habe die Regierung beschlossen, 11 weitere Verpflichtungen im Rahmen des Sprachpakts zu übernehmen. Der Europäische Pakt für Regional- oder Minderheitensprachen trat für Dänemark 2001 in Kraft. Der Pakt hat zum Ziel, regionale, historische und Minderheitensprachen in ganz Europa zu fördern und zu schützen. Dänemarks Kulturminister Jakob Engel-Schmidt zeigt sich erfreut: „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass in Dänemark gute Bedingungen für die deutsche Minderheit herrschen, damit sie in Südjütland leben und arbeiten kann und gleichzeitig die Möglichkeit hat, ihre kulturelle und nationale Zugehörigkeit zu bewahren. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir nun eine Reihe neuer Verpflichtungen im Sprachpakt eingehen können. Denn die deutsche Minderheit gehört zu Dänemark, und wir sind verpflichtet, ihr angemessene Bedingungen zu gewährleisten – so wie es auch für die dänische Minderheit südlich der Grenze gilt.“

mehr lesen

Der dänische Farbenbefreier: Verner Panton zum 100. Geburtstag

Verner Panton in ganzer Farbenpracht – die berühmte "Spiegel"-Kantine steht heute im Museum für Kunst & Gewerbe in Hamburg. Foto: MKG/Henning Rogge/PR
Verner Panton in ganzer Farbenpracht – die berühmte "Spiegel"-Kantine steht heute im Museum für Kunst & Gewerbe in Hamburg. Foto: MKG/Henning Rogge/PR

PORTRÄT Kopenhagen/Hamburg/Weil am Rhein (cs). Neulich in einem Kopenhagener Hotel: Der Tisch im morgendlich noch halbdunklen Frühstücksraum wird von einer kleinen, roten Lampe – zugegebenermaßen etwas sparsam – erleuchtet. Auf dem Nebentisch ist das Leuchtobjekt grün, schräg gegenüber schwarz. Der typisch kuppelförmige Lampenschirm und der pilzartige Fuß der Lampe verraten gleich, dass die Inneneinrichter meiner Unterkunft dabei auf dänisches Design gesetzt haben. Panthella heißt die Tischleuchte, die aktuell eine wahre Renaissance erlebt. In öffentlichen Räumen, genauso aber auch im Privaten. Entworfen wurde die Lampe von einem der größten und ideenreichsten Designer, den Dänemark im letzten Jahrhundert hatte: Verner Panton.

mehr lesen

Dänemarks Weingüter und Destillerien immer beliebter – zwei neue Reiseführer führen durch eine spannende Genusslandschaft im Norden

Zwei Reiseführer aus dem Verlag Groblaa: die "Weinroute" und die "Spirituosenroute" führen zu lokalen Produzenten im kleinen Königreich. Foto: Christoph Schumann, 2025
Zwei Reiseführer aus dem Verlag Groblaa: die "Weinroute" und die "Spirituosenroute" führen zu lokalen Produzenten im kleinen Königreich. Foto: Christoph Schumann, 2025

NEWS KULTUR Aalborg (pr/cs). Zwar ist es längst mehr als ein Geheimtipp – doch immer noch sind viele Dänemarkurlauber überrascht: In Dänemark wird vielerorts Wein angebaut und auch zu leckeren Weinen verarbeitet. Und das bereits seit einem Vierteljahrhundert ganz offiziell: Schon im Jahr 2000 erkannte die Europäische Union das Königreich als Weinanbauland an. Ein echter Trend sind zudem seit rund zehn, fünfzehn Jahren dänische Spirituosen wie Whiskey oder Gin aus kleinen Manufakturen. Beide Phänomene bündeln zwei neue Bücher jetzt in lesens- und reisenwerten Sammlungen: "Vinruten", also die "Weinroute", und "Spritrouten", die "Spirtuosenroute", aus dem dänsichen Verlag Groblaa sammeln Hersteller, Adressen, Reisetipps und mehr für alle Kenner, Entdeckungsfreudigen und andere Interessierten, die Dänemarks Wein- und Spirituosenwelt selbst im wahrsten Sinn des Wortes erfahren möchten. Beide Bücher sind aktuell und detailreich, leider aber im Infoteil nur zweisprachig Dänisch und Englisch. Einen Überblick auf Deutsch bieten jeweils nur die Übersichts- bzw. einleitenden Kapitel. Ein echtes Manko bei der Nutzung. Und beide Bücher sind nur in Dänemark direkt, über den Verlag oder online erhältlich. Schade.

mehr lesen

80 Jahre nach der Befreiung: Neue Sonderausstellung im Museum Tirpitz an der dänischen Nordsee

Die Sonderausstellung "Nach dem Krieg" im Museum Tirptiz, Blåvand. Foto: PR/Vardemuseerne
Die Sonderausstellung "Nach dem Krieg" im Museum Tirptiz, Blåvand. Foto: PR/Vardemuseerne

NEWS Geschichte Blåvand (vdk/pr). Am 4. Mai 2025 jährt sich zum 80. Mal die Befreiung Dänemarks nach fünf Jahren der deutschen Besatzung während des zweiten Weltkriegs. Den Jahrestag der Befreiung feiert das Museum Tirpitz an der dänischen Nordsee bei Blåvand mit der Eröffnung der Sonderausstellung „Nach dem Krieg“ (dän. „Efter krigen“). Sie beleuchtet die Geschehnisse rund um das Ende der deutschen Besatzung und die unmittelbare Nachkriegszeit in Dänemark. Neben der Sonderausstellung umfasst das Museum Tirpitz mehrere Dauerausstellungen, u.a. „Gold der Westküste“ zum Thema Bernstein, „Geschichten der Westküste“ zur dänischen Nordsee allgemein und „Armee aus Beton“ über die Region im zweiten Weltkrieg.

mehr lesen