
KUNST Itzehoe/Glückstadt (cs). Mit einer sehenswerten Doppelausstellung widmen sich zurzeit gleich Museen im Kreis Steinburg dem (druck-)grafischen Werk vom Oskar Kokoschka (1886–1980). Unter dem Titel „Menschen und Länder“ legen das Kreismuseum Prinzeßhof in Itzehoe und das Detlefsen-Museum in Glückstadt unterschiedliche Schwerpunkte auf Arbeiten des österreichischen Expressionisten. Das überzeugende Konzept: Zwei Häuser beleuchten unterschiedliche Seiten des Künstlers.

Das Porträt als Seelenlandschaft
Im Prinzeßhof in Itzehoe steht Kokoschkas Porträtkunst im Mittelpunkt. Kaum ein Maler des frühen 20. Jahrhunderts verstand es so eindringlich, Menschen zu erfassen. Kokoschkas Porträts von Künstlerpersönlichkeiten wie Alma Mahler, Herwarth Walden oder Tilla Durieux aus den 1910er und 20er Jahren wirken nervös, manchmal fast unruhig – Linien zittern, Farben flackern. Doch genau darin liegt ihre Kraft. Kokoschka ging es nicht um äußerliche Ähnlichkeit, sondern um den Charakter der Porträtierten. Seine Modelle, zu denen in den 1960ern häufig Politiker wie Konrad Adenauer oder Golda Meir gehörten, erscheinen wie psychologische Studien, in denen Emotion und Persönlichkeit sichtbar werden.

Landschaften und Stadtansichten als innere Wahrnehmungen
Das Detlefsen-Museum in Glückstadt zeigt einen anderen Aspekt des meist als Maler bekannten Kokoschka, den die Nationalsozialisten als „entartet“ brandmarkten: Lithografien, Radierungen und Zeichnungen belegen Kokoschkas spontane Intensität beim festhalten von Eindrücken auf Reisen: Landschaften, Städte, Häfen oder Küstenpartien spiegeln Impressionen seiner zahlreichen Reisen durch Europa. Insbesondere zu der Zeit, in der Kokoschka im Exil in Prag und London ausharrte. Die Bilder von London oder der Schweiz sind oft weniger topografische Ansichten als vielmehr Stimmungslandschaften. Himmel, Wasser und Architektur geraten in Bewegung, als würden sie die innere Wahrnehmung des Malers, ja seine subjektive Seelenlandschaft widerspiegeln.
Ein Künstler, zwei Panoramen
Die Aufteilung macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus, die Kokoschkas grafisches Schaffen über fast sieben Jahrzehnte verfolgt. Während in Itzehoe der Blick auf den Menschen gerichtet ist, öffnet sich in Glückstadt Kokoschkas Blick in die Welt. Zusammen ergeben beide Präsentationen ein Panorama eines Künstlers, der zu den prägenden Künstlern des 20. Jahrhunderts zählt. Der Weg zwischen den beiden Orten ist kurz – knapp zwanzig Kilometer liegen nur dazwischen. Wer beide Häuser an einem Tag besucht, erlebt nicht nur zwei unterschiedliche Schaffensaspekte, sondern auch zwei Perspektiven auf einen Künstler, der zeitlebens versuchte, hinter die sichtbare Oberfläche der Dinge zu schauen.
Die Ausstellungen „Oskar Kokoschka – Menschen und Länder“
„Bildnisse und Portraits“ von Kokoschka sind noch bis 7. Juni zu sehen im Kreismuseum Prinzeßhof, Kirchplatz 5, 25524 Itzehoe. Di–So 12–17 Uhr, Eintritt: 3,50 €, Familienticket 8 Euro. „Landschaften und Reiseblätter“ zeigt ebenfalls bis 7. Juni das Detlefsen-Museum, Am Fleth 43, 25348 Glückstadt. Di–So 14–17 Uhr, Eintritt: 4 €, bis 14 Jahre frei.
Die gezeigten Werke sind Leihgaben und Teil der Sammlung und Stiftung Spielmann-Hoppe. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog „Oskar Kokoschka: Menschen und Länder.“ Erschienen, der zum Preis von 20 Euro in den Museumsshops erhältlich ist. Ein Begleitprogramm rundet die Ausstellungen ab. Mehr Informationen auf www.kreismuseum-prinesshof.de und www.deflefsen-museum.de
Copyright Text und Repro: Christoph Schumann, Hamburg, 2026
