Burgund: Wo Weine ein Welterbesiegel tragen

Aus erster Hand: Winzerin Fanny Roucault im Familien-Weinkeller in Orches. Foto: Christoph Schumann, 2019
Aus erster Hand: Winzerin Fanny Roucault im Familien-Weinkeller in Orches. Foto: Christoph Schumann, 2019

REPORTAGE Beaune. Erst einen Schluck vom Roten? Oder doch etwas vom leichteren Rosé? „Unser Rosé ist seltener“, sagt Fanny Roucault und rät dazu, zunächst den helleren Wein zu verkosten, den wir im Jahrhunderte alten Weinkeller des Weinguts in Orches genießen. Schon in achtzehnter Generation bauen die französischen Winzer in und um den kleinen Bergort, der rund eine halbe Autostunde von Beaune entfernt liegt, hochkarätige Weine an. „Der Rosé ist dabei aber eher eine Seltenheit und wird tatsächlich am meisten von Frauen geschätzt“, lacht Roucault. „Wie fast im ganzen Burgund bildet auch bei uns aber Rotwein den Schwerpunkt“, so die Seniorchefin, während wir aus das französisch Cave genannte Gewölbe ins Tageslicht verlassen.

Das Herz des burgundischen Weinbaus ist die Côte-d’Or. Es schlägt etwa auf halbem Weg zwischen Orches und Beaune in Pommard. Genauer gesagt: Im Saone-Tal, das unweit von Dijon beginnt und etwa sechzig Kilometer südwestlich nahe Santenay endet. Die „Route des Grand Crus“ schlängelt sich durch malerische Weinbaudörfer wie Gevrey-Chambertin, Vougeot, Nuits-St-Georges, Volnay oder das für seinen Weißwein bekannte Meursault. Zentrum der Themenstraße ist Pommard, wo Liebhaber burgundischer Weine in der Weinschule des Château des Pommard Tageskurse in der Weinschule besuchen können, um ihre Kenntnisse zu erweitern.

Dass die Region in und um Pommard seit vier Jahren zum Unesco-Welterbe gehört, hat einen besonderen, natürlichen Grund: die sogenannten Climats. Der burgundische Ausdruck für das Terroir im Weinbau, also für die jeweilige Weinlage, ist ein Gütezeichen für den einzigartigen Charakter, den hunderte Weingüter zwischen Dijon und Beaune bis nach Santenay ihren Erzeugnissen verleihen. Die Climats werden seit Jahrhunderten genau unterschieden und sind in den meisten Fällen über Generationen fast unverändert geblieben. Jedes Climat ist eine Weinparzelle, die einen eigenen Namen, eine eigene Geschichte, einen oft nur von Kennern auszumachenden eigenen Geschmack und einen eigenen Platz in der Hierarchie der Weine hat. Die mehr als 1000 Climats im Burgund sind traditionell getrennt von hellen Steinmauern und Wegen, auf denen Wanderer besonders jetzt im Herbst stundenlang zwischen bunt verfärbtem Weinlaub spazieren können. Darüber hinaus ist die Kulturlandschaft geprägt von nicht selten schlossartigen Weingütern, die inmitten von Reben liegen. Weltweit zählen bekannte Namen von Climats wie Chambertin, Romanée-Conti, Clos de Vougeot, Montrachet, Corton oder Musigny zu begehrtesten Burgunder-Weinen.

Zum architektonischen Erbe der Climats mit ihrer mehr als 2000-jährigen Geschichte gehören auch historische Gebäude wie die Hospices de Beaune. Das auch Hôtel-Dieu genannte Haus ist die größte Attraktion des 22.000 Einwohner großen Wein-Städtchens. Das vierflügelige Krankenhaus im burgundisch-flämischen Stil entstand zwischen 1443 und 1451 nach Plänen von Jacques Wilscrère. Fast kaum zu glauben: Der mittelalterliche, fünfzig Meter lange Krankensaal mit der bemalten Spitztonnen-Decke und den kleinen Betten-Separées wurde noch bis 1971 benutzt. Ebenso sehenswert ist der fast sechs Meter breite Flügelaltar von Rogier va der Weyden aus dem Jahr 1443 im Hospizmuseum, der das Jüngste Gericht eindrucksvoll darstellt. Dass Besucher im kleinen Shop des Hospizes echten Hospiz-Wein erwerben können, kann im Burgund nicht verwundern: Durch Schenkungen erhielt auch das Hospices de Beaune eigene Weingüter, die Weine höchster Güte gedeihen lassen. Die erlesenen Tropfen werden alljährlich im Herbst auf einer Auktion zugunsten der Stiftung versteigert.

Das Beste aus der Region: Weinkarte in einem Restaurant im Burgund. Foto: C. Schumann, 2019
Das Beste aus der Region: Weinkarte in einem Restaurant im Burgund. Foto: C. Schumann, 2019

Reiseinformation Burgund

Das Burgund selbst gehört zur 2016 gebildeten Großregion Burgund-Franche-Comté und liegt im Osten Frankreichs. Mit knapp 48.000 km² ist die Destination so groß wie Niedersachsen und hat rund 2.820.000 Einwohner. Die wichtigsten Städte sind Dijon und Besançon. Es gibt drei Gebirgszüge: die Südvogesen, das Juragebirge zur Schweizer Grenze und das Morvan mit einem regionalen Naturpark im Westen von Burgund. Die Flüsse Saône und der Doubs durchziehen das Gebiet. Auch die Seine entspringt hier. Zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten gehören die Basiliken von Vézelay und Paray-le-Monial, das Hôtel-Dieu in Beaune, die Zitadelle von Besançon und die Zisterzienserabtei von Cluny. Burgund ist besonders für Weinanbau und malerische Winzerdörfer bekannt.

Mehr Informationen unter http://de.bourgognefranchecomte.com

 

Zu den beliebten Veranstaltungen im Herbst gehört u.a. die traditionelle Weinauktion der Hospize von Beaune. Diese findet in diesem Jahr am 17. November statt: www.beaune-tourisme.fr/blog/vente-des-vins-des-hospices-de-beaune.

Freunde hochkarätiger Geschmackserlebnisse sind richtig bei der Messe "Pains, Vins, Fromages" am 12./13. Oktober in Beaune www.beaune-tourisme.fr/que-faire/agenda/salon-pains-vins-fromages-1266448

Tipps zu Wein- bzw. Önologie-Kursen gibt es auf www.bourgogne-tourisme.com/a-voir-a-faire/cours-et-initiation-la-degustation

 

Stand: Oktober 2019