
REPORTAGE Mannheim (cs). Der Klimawandel ist jetzt auch auf der „Katharina von Bora“ angekommen. Besser gesagt: unter dem Kiel des dreiundzwanzig Meter langen Flusskreuzfahrtschiffs. „Wir fahren in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Neckar“, sagt Jan Stastny, während das Schiff Heidelberg mit der imposanten Kulisse des roten Schlosses hoch oben über der barocken Altstadt hinter sich lässt. „Bisher führte eine unserer Touren die Elbe hinab mit Dresden und Wittenberg“, so der tschechische Kapitän mit Blick flussabwärts mit erkennbarem Bedauern, denn die Strecke durch die Sächsische Schweiz und vorbei an Dresden und Meißen gehöre zu seinen Lieblingsrouten. „Aber selbst für unser kleines Schiff ist der Wasserstand dort in den letzten Jahren bereits im Frühjahr und Herbst so niedrig geworden, dass eine sichere Fahrt immer unmöglicher wird.“ Weil sicher aber sicher ist, macht die „Katharina von Bora“ trotz ihrer nicht einmal eineinhalb Meter Tiefgang nun zum Anfang und Ende ihrer Saison alternativ einen Vier-Flüsse-Törn auf Neckar, Rhein, Mosel und Saar. Und umgekehrt Denn noch führen die Binnengewässer im Westen selbst im Sommer genug Wasser.
„Noch“, schiebt Jan Stastny nach, „es ändert sich so viel, dass man kaum Prognosen wagt.“ In gemütlichem Tempo dreht das im Jahr 2000 gebaute Schiff, das mit nur achtzig Passagieren zu den kleinen Boutique-Flusskreuzfahrern gehört, wenig später in den Rhein. Vorbei an Mannheim und Ludwigshafen ist Rüdesheim die erste Anlaufstelle. In den historischen Weinstadt bleibt Zeit für einen Gang durch die berühmte Drosselgasse mit ihren Weinstuben. Noch spannender aber ist ein Besuch mit der Seilbahn hinauf zum Niederwalddenkmal: „Als Wacht am Rhein erinnert die Germania an die Gründung des Deutschen Reichs 1870/71“, erklärt Andreas Arz. Kritisch sieht der gebürtige Rüdesheimer die nationalistische Geste der fast vierzig Meter hohen und fünfundsiebzig Tonnen schweren Skulptur – den weiten Blick auf seine Heimat und den Rheingau genießt er aber dennoch.

Gut zwei Stunden dauert mit einer entschleunigenden Fahrt von etwa zehn Stundenkilometern die weitere Fahrt durch das Unesco-Welterbe Mittelrhein: Burgen und kleine Weinorte prägen das Bild. Frachtschiffe ziehen vorbei auf ihrem Weg nach Norden. Kurz nach der einhundertdreißig Meter hohen Loreley verlässt die „Katharina“ in Koblenz Deutschlands längsten Fluss und biegt in die Mosel ein. Der Anleger für eine Nacht liegt im Schatten eines weiteren monumentalen Denkmals deutscher Geschichte: Kaiser Wilhelm I. herrscht hoch zu Ross am Deutschen Eck. „Confluentes“ war der lateinische Name des mehr als zweitausend Jahre alten Koblenz: die Zusammenfließenden, weil Rhein und Mosel sich dort treffen. Historisches findet man in den Gassen zwischen zwischen der Basilika St. Kastor und der Liebfrauenkirche im Herzen von Koblenz wenig – der Krieg zerstörte weite Teile der Innenstadt. Fachwerk und Idylle gibt es dafür wenige Kilometer aufwärts: Cochem und Bernkastel-Kues sind geprägt von Fachwerk und Weinbau, den schon die Römer hier an die Mosel brachten.
Historische Weinbauorte, Weinhänge und Schleusen
Rund ein Dutzend Schleusen durchquert die „Katharina von Bora“ auf ihrem Weg von Koblenz nach Trier, dem letzten Liegeplatz an der Mosel, ehe es in die kleinere Saar geht. Die älteste Stadt Deutschlands – neuerdings im Titelstreit mit dem bayerischen Kempten – wurde 16 vor Christus als Augusta Treverorum von den Römern gegründet: Reste des Amphitheaters und der Barbarathermen sowie die Konstantin-Basilika und nicht zuletzt das weltberühmten Stadttors, die Porta Nigra, sind Zeugnisse der reichen Geschichten der viergrößten Stadt von Rheinland-Pfalz. Am letzten See- bzw. Flusstag erreicht die „Katharina“ mit der Saar den letzten Fluss ihrer achttägigen Reise. „Saarburg gehört zu meinen Lieblingsorten unterwegs“, gibt Kapitän Jan Stastny einen Geheimtipp. Und tatsächlich bietet der zwanzig Meter hohe Wasserfall mitten zwischen den engen Häusern der Altstadt von Saarburg ein unerwartet spektakuläres Schauspiel. Die mittelalterliche Anlage ist eine städtebauliche Meisterleistung, um die Räder der früheren Stadtmühle anzutreiben. Unweit von Saarburg sind im Archäologiepark nach Ausgrabungen die römische Villa Borg samt Bad, Küche und Nebengebäuden in den letzten Jahren wieder entstanden und bieten Eindrücke ins Leben vor zwei Jahrtausenden. Bleibt auf den letzten Stunden an Bord noch ein echter Höhepunkt: die Fahrt um die immergrüne Saarschleife mit ihren rund einhundertachtzig Meter hohen Ufern bei Mettlach, die zu den beliebtesten Fotomotiven des Landes gehört. Wenige Flusskilometer weiter legt Jan Stastny die „Katharina“ in Merzig ein letztes Mal am Anleger an – noch mit genug Wasser unterm Kiel.
Hintergrund: Die Flusskreuzfahrt und der Klimawandel
Das Flusskreuzfahrtschiff „Katharina von Bora“ gehört der Reederei Nicko Cruises. In den kommenden Sommermonaten verkehrt das Schiff meist zwischen Potsdam und Ostsee. Im Oktober
steht dann wieder die 8-tägige Fahrt unter dem Titel „Eine Reise durch die Zeit auf Rhein, Saar, Neckar und Mosel“ von Mannheim nach Merzig bzw. zurück auf dem Programm. Genaue Reisedaten,
Preise, Buchung und mehr auf www.nicko-cruises.de/flussreisen
Die hier beschriebene Flusskreuzfahrt von Mannheim über Heidelberg und Trier nach Merzig mit der "Katharina von Bora" findet im Herbst 2026 vom 16. bis 23. Oktober. Mehr Infos
und Buchung ab 1405 Euro auf der Webseite von Nicko Cruises hier.
Der Klimawandel wirkt sich bereits heute deutlich auf die Wasserstände und die Schiffbarkeit von vielen Flüssen hierzulande aus, darunter neben der Elbe auch Rhein oder Mosel
aus. Diese Effekte werden sich in den kommenden Jahren Experten zufolge weiter verstärken. Aktuell zeigen Messungen, dass der Rhein trotz zeitweiliger Entspannung weiterhin ein erhöhtes Risiko
für Niedrigwasser aufweist, insbesondere nach niederschlagsarmen Winter- und Frühjahrsperioden. Solche Niedrigwasserphasen führen dazu, dass etwa Frachtschiffe weniger Ladung aufnehmen können
oder Fahrten eingeschränkt werden müssen, was die Transportkosten erhöht. Auch auf der Mosel, die als wichtige Wasserstraße ausgebaut ist, bleiben Wasserstandsschwankungen ein zentrales Problem
für die Schifffahrt. Langfristig wird der Klimawandel die hydrologischen Bedingungen weiter verändern. Studien zeigen, dass sich Niederschläge stärker in den Winter verlagern, während Sommer
trockener werden. Um die Schiffbarkeit zu sichern, sind auch technische Maßnahmen die Vertiefung von Fahrrinnen, aber auch neue Schiffstypen mit flacherem Rumpf geplant, um zentrale
Verkehrsachsen wie Rhein und Mosel weiter ganzjährig nutzen zu können.
Copyright Text und Fotos: Christoph Schumann, Hamburg, Frühjahr 2026. Bei Interesse an Abdruck oder Fotos kontaktieren Sie mich gern.









