Ruhpolding: Zwischen Butternudeln und Baumgrenze

Ruhpoldinger Klassiker: Konditormeister Wolfgang Heigermoser mit seinen Butternudeln. Foto: C. Schumann, 2017
Ruhpoldinger Klassiker: Konditormeister Wolfgang Heigermoser mit seinen Butternudeln. Foto: C. Schumann, 2017

Ruhpolding. In der Backstube von Wolfgang Heigermoser duftet es verführerisch. In der Luft liegt der Geruch von Schokolade, Zucker, Marmelade und anderen Zutaten für Klassiker wie Prinzregententorte oder Apfelstrudel, die im Café Chiemgau in Ruhpolding zu den beliebtesten Torten- und Kuchengenüssen zählen. Heute soll es im Traditionshaus an der Hauptstraße darüber hinaus aber noch eine lokale Spezialität geben, die in keiner anderen Konditorei des oberbayerischen Ferienortes angeboten wird: Butternudeln.

Das Hefegebäck ist ein echter Geheimtipp. Nur wenige Ruhpoldinger und noch weniger Urlauber wissen überhaupt, dass der 38-jährige Konditormeister das überlieferte Familienrezept auf Wunsch heraussucht – nicht einmal auf der Karte des mehr als 60 Jahre alten Cafés ist die lokale Spezialität zu finden.

„Butternudeln servieren wir nur auf Vorbestellung“, sagt Wolfgang Heigermoser, der den Handwerksbetrieb in dritter Generation leitet. Der Grund dafür ist einfach: Die nur im südlichen Chiemgau bekannte Köstlichkeit benötigt viel Zeit und Ruhe bei der Zubereitung. „Und dafür ist spontan im Alltag meist keine Zeit“, weiß der fröhliche Zuckerbäcker. Heigermoser backt nicht nur nach einem Rezept, das schon seine Großmutter kannte – er erhält mit seinem Angebot auch ein Ritual lebendig, das bis vor wenigen Jahrzehnten noch in fast allen Familien in Ruhpolding – und in abgewandelter Form in den nahen Orten Inzell und Reit im Winkl – gepflegt wurde. „Traditionell kamen die nahrhaften Butternudeln in unseren Familien meist am Samstag zum Mittagessen auf den Tisch. Und Reste aß man dann am Sonntag zum Kaffee“, erinnert sich der Familienvater. Weil Zubereitung von Teig und das Backen der krapfenartigen Butternudeln aufwändig ist und Stunden dauert, gibt es sie heute nur noch zu ganz besonderen Anlässen. Wenn überhaupt.

 

Herzhaft oder süß

Außer natürlich im Café Chiemgau. Hier setzt Heigermoser aus den frischen Zutaten Weizenmehl, Milch, Hefe, etwas Salz und Zucker sowie vier Eiern einen Grundteig an. Ein Kilogramm Mehl ergibt am Ende rund ein Dutzend Butternudeln. Ist alles verrührt, muss der Teig gehen. Anschließend formt der Konditor von Hand einzelne Teigkugeln, die bei 35° C noch einmal zwanzig Minuten im Ofen nachgehen. Dann kochen Rohlinge in einem Topf voll geschmolzener Butter und etwas Wasser rund fünfzehn Minuten, bis sie goldbraun sind. „Wichtig ist, dass ein Deckel sie abdeckt und dieser Prozess nicht gestört wird“, verrät Heigermoser. „Nur so werden die Butternudeln wie sie sein sollen: außen saftig-feucht, innen ganz trocken.“

Serviert werden die Butternudeln anschließend herzhaft mit Sauerkraut oder süß mit Apfelkompott. Wer die Köstlichkeit isst, ahnt schnell, warum Butternudeln einst als Arme-Leute-Essen der Holzknechte genannten Waldarbeiter galt, das vor allem viele Kalorien liefern sollte – schon nach der ersten Butternudel setzt nämlich ein wohliges Sättigungsgefühl ein. „Früher gab es in unserer Region weder Gemüse noch Kartoffeln oder andere Frischwaren“, erklärt Heigermoser, „darum waren Teigwaren tägliche, notwendige Kost. Dazu bleibt bei der Herstellung der Butternudeln am Ende noch viel Schmalz übrig – dieses ist haltbarer als Butter und benötigt keine Kühlung. Waren die Arbeiter eine oder zwei Wochen im Forst, hatten sie immer eine Ration dabei.“ Die ›Kalorienbombe‹ Butternudel können Urlauber übrigens auch heute noch im Wald rund um Ruhpolding abarbeiten – nicht beim Holzfällen natürlich, sondern beim Wandern oder Mountainbiking.

Aktiv in Ruhpolding

Mit seiner Lage in den Chiemgauer Alpen ist Ruhpolding von Frühjahr bis Herbst nämlich perfekt für aktive Urlaubstage mit Wanderungen oder Mountainbiketouren. Rund um Ruhpolding finden Wanderer ein 240 Kilometer langes Wegenetz, das bis auf knapp 2000 Meter Höhe an die Baumgrenze hinaufführt. Zu den beliebtesten Familientouren zählt der Serpentinenpfad vom Holzknechtmuseum in Laubau durch das Fischbachtal zum Staubfall an der österreichischen Grenze. Besonders reizvoll ist die Passage, an der man hinter dem Wasserfall hindurchwandert. Diesen Weg nahmen früher auch Schmuggler.

Ideal für Familien ist auch die leichte, rund drei Stunden dauernde Drei-Seen-Wanderung rund um Lödensee, Mittersee und Weitsee. Die Gegend vor den Toren Ruhpoldings gilt mit ihrem weiten Panorama mit Wasser und beeindruckenden Felswänden als „Klein-Kanada“.

Ruhpoldings zahlreiche Sommerweiden wie die Thorau Alm, die Haar Alm oder die Brander Alm lassen sich auch auf eigene Faust erkunden. Eine einfache Halbtagestour beispielsweise führt zur Röthelmoos Alm unter der Hörndlwand. Auf der Alm lockt dann eine typische Brotzeit mit frischem Almkäse und würzigem Speck aus der Region.

Blick auf Ruhpolding. Foto: Ruhpolding Tourismus GmbH/PR
Blick auf Ruhpolding. Foto: Ruhpolding Tourismus GmbH/PR

Auf Ruhpoldings Hausberg, den 1.670 Meter hohen Rauschberg, und den 1.425 Meter hohen Unternberg führt nicht nur eine etwa vierstündige Wanderung – wer die Bergbahn hinaufnimmt, kann entspannt hinunterwandern. Beide Berge eröffnen atemberaubende Weitblicke bis zum Chiemsee oder in die Zentralalpen.

Wer lieber auf zwei (Fahrrad-)Reifen unterwegs ist, findet in und um Ruhpolding zwischen 600 und 1.800 Höhenmetern Rad- und Bikerouten in verschiedenen Schwierigkeitsgraden mit einer großen Vielfalt an Steigungen und Zielen. Beliebt bei Familien ist die Tour „Rund ums Tal“ (20 km), einer von 14 Talradwegen, die sich über insgesamt 500 Kilometer durch den Chiemgau ziehen. Familientauglich ist auch die idyllische Röthelmoos-Runde (27 km) um Weit-, Mitter- und Lödensee mit Bademöglichkeit. Forstwege führen bis in die Almregion, bevor es durch Waldtrails wieder hinunter geht.

Ein Klassiker ist die Staubfall-Tour, auf der das Mittelstück zu Fuß gemeistert werden muss. Anspruchsvoller ist die „Ruhpoldinger Reib’n“ – die insgesamt 85 Kilometer lassen sich auch in sieben Einzeletappen fahren.

 

Reiseinformationen

Allgemeine Informationen zu Ruhpolding findet man auf www.ruhpolding.de.

Butternudeln im Café Ruhpolding bietet Wolfgang Heigermoser für mindestens vier bis fünf Personen an. Eine Portion mit eineinhalb Butternudeln sowie Sauerkraut oder Apfelkompott kostet 8,50 Euro. www.cafe-chiemgau.de

 

Touren mit Guide

Wer sich einer Wandergruppe anschließen möchte, hat in Ruhpolding zwischen Mai und Oktober jede Woche Gelegenheit dazu: begleitete Wanderungen und Nordic-Walking-Touren führen auf den Spuren der Holzknechte durch die Traunauen, zur alten Glockenschmiede, zur Faszination Bergwald oder auf die Schwarzachenalm.

 

Veranstaltungen

1. Mai 2017 – Traditionelles Maibaumaufstellen

Alle paar Jahre kommt Ruhpolding in den Genuss, seinen Maibaum zu feiern… Mit ganzer Manneskraft wird der Baum vom Trachtenverein „D`Miesenbacher Ruhpolding“ aufgestellt. Dazu gibt es Musik- und Tanzeinlagen.

 

25. Mai bis 5. Juni 2017 – Fest der Berge

Vom 25. Mai bis 5. Juni 2017 dreht sich in Ruhpolding alles um die Berge – mit Veranstaltungen rund um Sport, Kultur, und Brauchtum. Ergänzt wird das Programm mit kulinarischen Entdeckungen und Musik.

 

4. Juni 2017 – Waldfest

Beim Traditionsfest, das seit 1919 gefeiert wird, trifft sich alljährlich Jung und Alt. Die besondere Biergarten-Atmosphäre inmitten der Natur mit Musik, Plattler- und Tanzeinlagen sind ein Highlight.