
KULTUR Ausstellung Nürnberg (cs). Mitten in Europa – und doch mit Handelsbeziehungen in die ganze Welt. Zumindest in die damals bekannte. Das fränkische Nürnberg war schon ab dem Hochmittelalter eine weit verzweigte Stadt, ohne dass man damals schon von Welthandel gesprochen hätte. „Nürnberg GLOBAL 1300–1600“ heißt denn auch die neue Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum (GNM) treffend, die einen ebenso spannenden wie neuen Blick auf die Anfänge der Globalisierung wirft. „Netzwerke und enge Bezüge in die große Welt gab es schon um 1500 und davor“, sagt Daniel Hess. „Die Reichsstadt Nürnberg hatte enge Handelsbeziehungen und war eines der intellektuellen Zentren Europas“, so der Direktor des GNM. Ja, Nürnberg habe eine entscheidende Rolle für die Entstehung globaler Netzwerke überhaupt gespielt: „Seine Verbindungen reichten über die Häfen Venedigs, Spaniens und Portugals bis nach Asien und Amerika.“
Mitten in Europa – und doch mit Handelsbeziehungen in die ganze Welt. Zumindest in die damals bekannte. Das fränkische Nürnberg war schon ab dem Hochmittelalter eine weit verzweigte Stadt, ohne dass man damals schon von Welthandel gesprochen hätte. „Nürnberg GLOBAL 1300–1600“ heißt denn auch die neue Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum (GNM) treffend, die einen ebenso spannenden wie neuen Blick auf die Anfänge der Globalisierung wirft. „Netzwerke und enge Bezüge in die große Welt gab es schon um 1500 und davor“, sagt Daniel Hess. „Die Reichsstadt Nürnberg hatte enge Handelsbeziehungen und war eines der intellektuellen Zentren Europas“, so der Direktor des GNM. Ja, Nürnberg habe eine entscheidende Rolle für die Entstehung globaler Netzwerke überhaupt gespielt: „Seine Verbindungen reichten über die Häfen Venedigs, Spaniens und Portugals bis nach Asien und Amerika.“

Handwerkskunst und Massenware
Nürnberg war im 14. und 15. Jahrhundert bekannt für seine metallverarbeitenden Gewerbe, vor allem für kostbare Gold- und Silberschmiedearbeiten. Kirchen und Herrscherhäuser kauften hier Monstranzen, Weihrauchgefäße oder seltene Luxusgüter wie in Gold montierte Kokosnüsse, Straußeneier oder Meeresschnecken. Als Nürnberger Spezialität galten – und gelten bis heute – außerdem die sogenannten Beckenschläger-Schüsseln, bei denen das Dekor mit Matrizen in die Metallwand geschlagen wird. Diese fast serielle „Massenware“ entwickelte sich schnell zum Exportschlager und findet sich heute in Sammlungen von Schweden bis Spanien. Die Bedeutung Nürnbergs für das Heilige Römische Reich war groß, seit dem Hochmittelalter förderten Herrscher die Stadt. Die prosperierende Handelsmetropole entrichtete hohe Steuerabgaben und profitierte im Gegenzug von kaiserlichen Privilegien: Mit den regelmäßigen Aufenthalten des Königshofs und den ab 1356 in Nürnberg stattfindenden Reichstagen kamen wichtige Persönlichkeiten in die Stadt. Seit 1424 wurden zudem auf Geheiß Kaiser Sigismunds die Reichskleinodien – die Reliquien und der Krönungsschatz der römischdeutschen Könige – hier verwahrt. Und mit Albrecht Dürer lebte darüber hinaus einer der wenigen, neben Leonardo da Vinci schon
damals international bekannten Künstler Europas in Nürnberg.
Handwerkskunst und Gewürzhandel
Eindrucksvolle Ausstellungsstücke bringen Besuchern Nürnbergs weltweite Kontakte und seine eigene Handwerkskunst näher. Besonders spektakulär: Eine mit Permutt besetzte Holzschale, die im 16. Jahrhundert aus Indien per Schiff via Afrika und Lissabon an die Pegnitz kam. Hier schmückte Goldschmied Nicolaus Schmidt sie mit goldenen Dekoren aus und fügte noch eine Kanne mit Drachenmotiv hinzu. Neben Nürnberger Exportgütern wie Waffen und Rüstungen beeindruckt die Schau auch mit Luxusgütern wie Gewürzen, allerdings in Form faszinierender Abbildungen und Zeichnungen in Büchern wie dem opulenten Pflanzenbuch des Apothekers Georg Öllingen von 1553: auch Gewürzhandel machte Nürnbergs „Pfeffersäcke“ reich. Weit gereist wurde jedoch nicht nur aus materiellen Gründen, so Daniel Hess: „Pilgerreisen nach Jerusalem oder Santiago de Compostela waren beliebt. Denn sie versprachen nicht nur Seelenheil, sondern auch gesellschaftliches Prestige und Anerkennung.“

Kontakte nach Indien und Amerika
Nürnbergs Kontakte reichten über die Iberische Halbinsel bis nach Indien und später auch Amerika. Beeindruckendster Beleg dafür ist ein Plan von Tenochtitlán, der alten Hauptstadt des Aztekenreichs: Die tiefblaue Karte gilt als älteste erhaltene Darstellung einer amerikanischen Stadt – und wurde 1524 in einem Buch in Nürnberg gedruckt. Heute ist das beeindruckende Stück aber eine Leihgabe der Österreichischen Nationalbibliothek. Natürlich darf Dürer in einer Nürnberger Ausstellung nicht fehlen: Sein Holzschnitt „Rhinocerus“ von 1515 galt schon zu Lebzeiten des Künstlers als eine Art globaler Ikone – das Nashorn, als Geschenk des Sultans von Gujarat in Westindien für Papst Leo X. über Portugal verschifft, ertran zwar im Mittelmeer. In Albrecht Dürers Holzschnitt überlebte es aber.
Die Schattenseiten der Globalisierung
Beleuchtet werden in „Nürnberg GLOBAL“ auch die Schattenseiten der Globalisierung. „Denn der Welthandel brachte Wissen und Waren und damit Reichtum und Wohlstand nach Europa. Aber nicht für alle: Nürnberger Geschäftsleute betrieben Minen in Übersee, beuteten die dort einheimische Bevölkerung aus, beteiligten sich am transatlantischen Sklavenhandel und an der
Kolonisierung Amerikas“, so Daniel Hess. Und gemeisam mit portugiesischen Geschäftspartnern führten Nürnberger Kaufleute an der Ostküste Afrikas und in Indien blutige Wirtschaftskriege. Auch diese dunklen Seiten vergisst die sehenswerte Ausstellung nicht.
Alle Infos zur Ausstellung
Die Ausstellung „Nürnberg GLOBAL – 1300 bis 1600“ im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ist vom 25. September 2025 bis 22. März 2026 zu sehen. Geöffnet ist das Museum Dienstag, Donnertag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr sowie Mittwoch von 10 bis 20.30 Uhr. Eintritt 10 Euro. Mittwoch ab 17.30 Uhr frei. Kartäusergasse 1, 90402 Nürnberg, www.gnm.de und zur Website der Ausstellung direkt hier.
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