Neuerscheinung "Die Wikinger": Eroberer und Reisende wie du und ich

BUCH Berlin. Ein Buch über die Wikinger? Ein Buch über die Wikinger! Ja, denn die Geschichte der Wikinger ist noch lange nicht zuende geschrieben. Und unser Wissen über die populären Ahnen aus dem Norden noch lange nicht vollständig. Mal glorifiziert, mal verhasst, mal romantisch als edle Wilde verklärt oder wie im Dritten Reich zu einem Idealbild einer vermeintlich höher stehenden arischen Herrenrasse glorifziert – nach 150 Jahren intensiver Forschung hat jede Generation „die“ Wikinger zu dem gemacht, was sie am liebsten in ihr sieht, so der kürzlich verstorbene Jörn Staecker in seinem letzten Buch. Die jetzt posthum von Mitarbeitern und FachkollegInnen Freiburger Mediävisten herausgebenen „Wikinger“ liefern einen ebenso spannenden wie umfassenden Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu den von Hollywood gern als verwegene Kerle mit Drachenschiffen dargestellten Nordmännern.

Auch heute bleibt vieles rund um die Wikinger im Unklaren: nicht einmal die Herkunft des altnordischen Namens „vikingr“ von Viken (Bucht) oder „vicus“ für (Hafen o. Handelsplatz) ist eindeutig geklärt. Doch schon dies macht den Unterschied zwischen reisenden, rasenden Eroberern oder friedlichen Händlern. Größtes Problem sind fehlende Quellen, denn die Wikinger hinterließen außer Runeninschriften keine schriftlichen Dokumente. Was wir wissen, haben meist ausgeraubte Mönche europäischer Klöster festgehalten – subjektiv und betroffen nach Beutezügen. „Wikinger“ liefert ein differenziertes Bild einer faszinierenden Kultur. Hier mutige Seefahrer und Eroberer. Dort Künstler, Handwerker und geniale Schiffsbauer. Händler, die quer durch Europa auf der Seidenstraße bis Asien reisten. Bedeutende Frauen und versklavte Männer. Und immer wieder zeigen Staecker und sein Team, dass sich in der mittelalterlichen Zeit der Wikinger Fragen der Neuzeit wiederspiegeln: Identität und Heimat, Mobilität und Migration, Religionskonflikte und das Ringen um Ressourcen. (Christoph Schumann)

 

Jörn Staecker und Matthias Toplak (Hrsg.): Die Wikinger – Entdecker und Eroberer. Propyläen Verlag, 480 S., 32 Euro