
KULTUR FOTOGRAFIE Hamburg (cs). Die Welt ist durchfotografiert. Täglich werden weltweit schätzungsweise fünf Milliarden Fotos aufgenommen – das entspricht zwei Billionen Bilder im Jahr. Die meisten davon liegen unsortiert auf Smartphones oder Festplatten, ohne je wieder angeschaut zu werden. Gegen die Bilderflut unserer Tage hilft ein Blick zurück in die große Zeit der Fotografie: Die 1950er und 1960er Jahre gelten als eine Hochzeit der Fotokunst und neuer, ungewöhnlicher Blicke auf die Welt. Zwei sehenswerte Retrospektiven stellen jetzt in Hamburg mit Arbeiten – und die lange Zeit analoge Fotografie war auch handwerklich tatsächlich Arbeit – von Hans Hansen und F.C. Gundlach zwei der größten deutschen Fotografen der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
„Digitales Fotografieren macht keine Pause“
Unter dem schlichten Titel „Foto: Hans Hansen“ widmet das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) einem der wichtigsten Fotografen der Nachkriegszeit: Der 1940 geborene Hans Hansen arbeitete mehr als sehr Jahrzehnte für internationale Marken wie Volkswagen, Nikon oder Erco. Seine klare, scharf ausgeleuchtete Produktfotografie seit den 1960er Jahren, die sich im Anschluss an Hansens Studium an der Kunstakademie Düsseldorf entwickelte, gilt als ebenso fesselnd wie revolutionär. Der VW Käfer, der „läuft und läuft und läuft“, ein VW Golf in tausenden Einzelteilen oder Hansens Landschaftsfotos für die Fluggesellschaft Lufthansa prägen noch heute das Bildgedächtnis ganzer Generationen. Rund 220 ikonische Fotografien des in Bielefeld geborenen Hansen sind zu sehen, darunter viele freie Bilder, die Hansen nicht nur als Werbefotografen, sondern auch als Bildkünstler zeigen, etwa in seiner Zusammenarbeit mit dem finnischen (Glas-)Designer Tapio Wirkkala. Erst Mitte ab Ende der Nuller Jahre begann Hansen übrigens, statt analog auch digital zu fotografieren. Dass die neue Technik die alte nicht nur ersetzt, sondern Leben und Lebensrhythmus umfassend einnimmt, erkannte Hansen früh: Oft habe er sich gewundert, warum er am Ende eines Arbeitstages mit der Digitalkamera so erschöpft sei – „bis ich gemerkt habe, dass die neue Technik keine Pause macht“, so der Fotograf in einem Videointerview in der Werkschau.

Prägend für Mode- und Kulturszene
Für die Lufthansa fotografiert schon in den 1950er Jahren auch F.C. Gundlach. Berühmt geworden als Modefotograf, ließ sich der Wahl-Hamburger in Form von Flugtickets honorieren – was dem 1926 Geborenen den Weg in fast alle Regionen der Welt eröffnete. Rund 130 teils bekannte, teils neu zu entdeckende Fotografien aus allen Werkphasen des vor fünf Jahren verstorbenen Gundlach sind aktuell im Bucerius Kunst Forum im Schatten des Hamburger Rathauses zu entdecken. Gundlachs Einfluss auf die Modefotografie bzw. die Mode-, Kunst- und Kulturszene insgesamt wuchs in den 1960ern – seine anfangs Schwarz-Weiß-Fotografie dokumentierten und prägten gesellschaftliche Strömungen. Der Ausstellungstitel „You’ll never watch alone“ soll dabei unterstreichen, dass Fotografie nie isoliert von ihrer Umwelt geschieht. Gundlachs Arbeitsorte von Hamburg über Paris und New York fanden ihren Widerklang in den großen (Foto-)Magazinen der Zeit. Daneben wirft die Werkschau auch Schlaglichter auf Gundlachs Wirken als Galerist, Lehrer und Sammler – rund 70 Arbeiten von Erwin Blumenfeld, Cindy Sherman und anderen Künstlern aus der eigenen Sammlung des Fotografen ergänzen die Ausstellung.

Die Fotoausstellungen: Hans Hansen und C.F. Gundlach
„Foto: Hans Hansen“ im Museum für Kunst & Gewerbe Hamburg, Steintorplatz, 20099 Hamburg, ist noch bis 1.11.2026 zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Eintritt 14 Euro, ermäßigt 8 Euro. Jeden 1. Donnerstag im Monat frei. www.mkg-hamburg.de
Die Ausstellung „You’ll never watch alone“ mit mehr als 200 Fotos des Hamburger Fotografen F.C. Gundlach und einiger Weggefährten ist im Rahmen der 9. Triennale der Photographie Hamburg noch bis 16.8.2026 im Bucerius Kunst Forum, Alter Wall 12, 20457 Hamburg zu sehen. Geöffnet ist tgl. 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Eintritt 12 Euro. www.buceriuskunstforum.de
Copyright Text: Christoph Schumann, Hamburg, Mai 2026
