
NEWS Wissenschaft Sønderborg (cs). Süddänemark macht einen großen Schritt Richtung Zukunft: Anfang des Monats nahm die Syddansk Universitet (SDU) mit „Bitten“ einen neuen Supercomputer in Betrieb. Das neue Rechenzentrum soll dabei die süddänische wie nationale, aber auch internationale Forschungsinfrastruktur fit für die Technologie der nächsten Jahre machen. „Bitten“ soll dabei am Standort der Universität Süddänemark in der Hafenstadt Sønderborg soll Dänemarks Position im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und High-Performance Computing (HPC) deutlich stärken. Entwickelt wurde der Supercomputer in Zusammenarbeit von Forschenden der Universität mit Hewlett Packard Enterprise und dem dänischen Industriekonzern Danfoss. „Bitten“ ist mit 128 Hochleistungs-GPUs des Typs NVIDIA B200 ausgestattet. Jede dieser Einheiten ist laut Angaben der Betreiber bis zu fünzehnmal leistungsfähiger als die Komponenten des bis von der SDU eingesetzten Computers „Gefion“. Damit gilt „Bitten“ als derzeit effizientestes System des Königreichs für generative KI-Anwendungen.
UCloud – Dänemarks nationale Forschungsplattform
Ein zentrales Element des Projekts ist dabei die Integration in die nationale Forschungsplattform UCloud. Über diese Open-Source-Infrastruktur erhalten ab sofort mehr als 23.000 Nutzerinnen und Nutzer – darunter rund 60 Prozent Studierende – einfachen Zugang zu komplexen Rechenressourcen. Ziel ist es, den Einsatz von Supercomputing nicht auf technische Disziplinen zu beschränken, sondern breiter in Wissenschaft und Lehre zu verankern. „Die Einweihnung von ›Bitten‹ markiert einen wichtigen Schritt für die dänische Forschung und Innovation“, sagt Claudio Pica vom zuständigen Institut für Mathematik und Datentechnik an der SDU. „Indem wir fortschrittliche Infrastruktur über eine benutzerfreundliche Oberfläche zugänglich machen, ermöglichen wir Innovationen in allen Disziplinen.“
Günstiger als kommerzielle Cloud-Anbieter
Neben mehr Leistungsfähigkeit spielt auch die Wirtschaftlichkeit im laufenden Betrieb eine zentrale Rolle: Als öffentlich betriebene Lösung soll „Bitten“ bis zu fünfmal günstiger sein als vergleichbare Angebote kommerzieller Cloud-Anbieter. Gleichzeitig ist das System skalierbar ausgelegt, sodass künftige Hardware-Upgrades flexibel integriert werden können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Nachhaltigkeit: Durch den Einsatz moderner Wasserkühlungstechnologie wird die entstehende Abwärme nicht nur reduziert, sondern aktiv weiterverwendet – etwa zur Beheizung von Gebäuden in der Region Sønderborg. Zusätzlich wird der Betrieb energieintensiver Prozesse gezielt an Zeiten mit günstigen und umweltfreundlicheren Strompreisen angepasst. Auch gesellschaftspolitische Signale sind wichtig: Benannt ist der neue dänische Supercomputer nach Bitten Clausen, der Frau von Danfoss-Gründer Mads Clausen. Deshalb steht das neue Projekt auch symbolisch für mehr Diversität im Technologiesektor: Bereits heute liegt der Frauenanteil unter den UCloud-Nutzenden bei rund 40 Prozent.
Teil einer europäischen Datenstrategie
Darüber hinaus ist das süddänische Projekt Teil einer größeren europäischen Strategie zur Stärkung der Datensouveränität. Öffentliche Infrastruktur und Open-Source-Ansätze sollen helfen, die Abhängigkeit von außereuropäischen Cloud-Anbietern zu verringern. Bereits heute nutzen die Universitäten im schwedischen Lund und italienischen Bologna einige Möglichkeiten der dänischen UCloud. „Souveränität bedeutet Unabhängigkeit. Mit öffentlich finanzierter Infrastruktur können wir sicherstellen, dass europäische Forscher die Kontrolle über ihre Daten behalten“, betonte Claudio Pica bei der offiziellen Einweihnung von „Bitten“. Mit einer Gesamtinvestition von über 100 Millionen dänischen Kronen (ca, 13,5 Mio. Euro) in den ersten fünf Jahren gilt „Bitten“ als größte KI-bezogene Einzelinvestition einer dänischen Universität. Auch wenn das System zum Start nur etwa 30 Prozent der Kapazität des neuen Rechenzentrums nutzt, wird mit steigender Nachfrage gerechnet. Das Projekt könnte damit über Dänemark hinaus Signalwirkung entfalten – als Modell für eine leistungsfähige, zugängliche und nachhaltige KI-Infrastruktur in Europa.
Copyright Text: Christoph Schumann, Hamburg, Mai 2026
