Fast ein Stück (Handwerks-)Geschichte: Mona Jensen Brix in Aså fertigt original dänische Clogs in Handarbeit

Lieblingsfarbe: Mona Jensen Brix mit einem Paar roter Damenclogs aus ihrer Manufaktur. Foto: C. Schumann, 2018
Lieblingsfarbe: Mona Jensen Brix mit einem Paar roter Damenclogs aus ihrer Manufaktur. Foto: C. Schumann, 2018

Aså/Dänemark. Es riecht nach Leder und nach Gummi, als wir den kleinen Schuhladen an der Skippergaden im dänischen Aså betreten – wie in jedem anderen Schuhgeschäft auch. In den Regalen stehen Sandalen, Turnschuhe, Halbschuhe für Frauen, Männer und Kinder. Mal bunt, mal einfarbig. Und dann stehen da noch: Clogs, original dänische Clogs. Denn „Aså Træsko“ in der kleinen Hafenstadt am Kattegatt in Nordjütland ist eines der wenigen Fachgeschäfte in Dänemark, das auch im 21. Jahrhundert noch auf die einst allgegenwärtigen Holzschuhe – auf Dänisch Træsko – spezialisiert sind. Ein Klassiker, den noch vor wenigen Jahrzehnten vom Landwirt bis zur Hausfrau, vom Lkw-Fahrer bis zum Dorfschüler im kleinen Königreich jede und jeder trug. Und der heute aus dem dänischen Alltagsbild verschwunden ist. Oder besser: verschwunden zu sein scheint.

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"Ich bin ein Klangmensch" – die Hamburger Bogenmacherin Ina Keller

Bogenmacherin Ina Keller an ihrer Werkbank. Foto: Christoph Schumann
Bogenmacherin Ina Keller an ihrer Werkbank. Foto: Christoph Schumann

Hamburg. Sanft streicht Ina Keller den Bogen über die Saiten ihrer Geige. Fühlt, ob das Holz elastisch und die Haare richtig gespannt sind. Dann lauscht die 52-jährige lang jedem einzelnen Tons nach, der ihre kleine Ladenwerkstatt in Hamburg-Eimsbüttel füllt. „Der Klang muss warm und farbenreich sein“, sagt die Handwerkerin, die seit gut zwanzig Jahren ihr einstiges Hobby zum Beruf gemacht hat: Die studierte Musikerin gehört zu der nur guten Handvoll Spezialisten hierzulande, die die Kunst der Anfertigung historischer Bögen beherrschen. Denn in der Barockzeit und davor klangen Instrumente weicher, ja milder, als Musiker und Musikfreunde es seit der Klassik ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts gewohnt sind. „Die Töne einer Geige klangen beispielsweise zur Zeit Johann Sebastian Bachs weicher, nicht so scharf wie heute“, weiß die ausgebildete Geigerin und Bratschistin, die ihre Leidenschaft für Alte Musik Anfang der 1990er Jahre beim Studium der Barockgeige in den Niederlanden entdeckte.

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Nordisk Tang: Dänischer Tang auf den Teller

Produkt Tang-Pesto von Nordisk Tang. Foto: Christoph Schumann
Produkt Tang-Pesto von Nordisk Tang. Foto: Christoph Schumann

Grenå. Eigentlich könnte Bjarne Ottesen längst seine Rente genießen. Dass der 68-jährige Däne stattdessen in einem Alter, in dem andere Pensionäre den Winter im Süden verbringen oder sich um die Enkel kümmern, noch einmal umschulen und zum Firmengründer, Entwicklungschef und „Tang-Techniker“ werden würde – „darüber hätte ich vor vier, fünf Jahren noch den Kopf geschüttelt“, lacht der Chef von Nordisk Tang beim Ortsbesuch in seinem kreativ-chaotischen Büro im Gewerbegebiet in Grenå.

Doch der Reihe nach: Nach einem Lehramtsstudium arbeitete Bjarne Ottesen Jahrzehnte lang als Pädagoge. Als Leiter der kleinen Båring Højskole bei Middelfart auf Fünen kümmerte sich Ottesen intensiv um Zukunftsfragen und Nachhaltigkeit. Um die Jahrtausendwende auch ehrenamtlich als Präsident von Green Cross Danmark (GCD), des nationalen Ablegers der von Michail Gorbatschow gegründeten Umweltschutzorganisation Grünes Kreuz (GCI). Vor gut zehn Jahren begegneten sich beide auf einer Konferenz in Südafrika. An die entscheidenden Momente erinnert sich Ottesen noch genau: „Bei einem Ausflug blickten wir über den Atlantik und die riesigen Algenwälder. Da sagte Gorbatschow zu mir: ›Bjarne, das Meer mit den Algen ist die einzige ungenutzte Ressource, die wir haben. Da musst du etwas draus machen.‹ Und eher spontan und im Scherz antwortete ich, ja, das tue ich.“

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Wenn weniger mehr is(s)t: Die Schokoladenmanufaktur DaJa in Uetersen

Edle Tafeln von DaJa Chocolate. Foto: C. Schumann
Edle Tafeln von DaJa Chocolate. Foto: C. Schumann

Uetersen. Der Duft von Schokolade empfängt Genießer schon an der Tür von Daja Chocolate. Und wer noch einmal genauer „hinriecht“ erkennt schnell auch den zarten Geruch von Früchten und exotischen Gewürzen, der durch die kleine Manufaktur in Uetersen zieht. Eine ungewöhnliche Mischung, die alles andere als Zufall ist – im Gegenteil. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen, ungewöhnlichen Kombinationen für unsere Schokoladen“, sagt Jan-Henrik Klüver, der den kleinen Familienbetrieb in der Kuhlenstraße seit rund drei Jahren gemeinsam mit seiner Frau Danila betreibt.

Anfangs lag die gläserne Süßwarenwerkstatt der gelernten Konditoren in der historischen Brauerei der Rosenstadt. Seit Anfang des Jahres zaubern die beiden Schokoladenexperten ihre süß-exotischen Kreationen in den Räumen einer ehemaligen Schreinerei. „Das passt gut“, findet der 35-jährige Chocolatier, „denn auch wir sind schließlich Handwerker.“

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Vom Wattführer zum Welterbebewahrer

Der Eingang zum neuen Wattenmeercenter in Vester Vedsted bei Ribe. Foto: C. Schumann, 2017
Der Eingang zum neuen Wattenmeercenter in Vester Vedsted bei Ribe. Foto: C. Schumann, 2017

Vester Vedsted/Ribe. Das neue Wattenmeercenter im dänischen Vester Vedsted entführt Besucher auf fast 3000 Quadratmetern in einen der wertvollsten Naturräume der Welt – und zum Arbeitspatz von Naturguide Klaus Melbye.

Der Arbeitsplatz von Klaus Melbye ist jeden Tag anders. Nicht nur das: Jede Minute ändert das Wirkungsfeld des 58-jährigen Naturguides. „Das Wattenmeer ist ständig in Bewegung“, sagt der dänische Biologe. „Ebbe und Flut, Sonne, Wind, Wellen und Wolken, Meerestiere und Zugvögel – die Küstenlandschaft erlebt einen permanenten Wandel.“ Kein Wunder, dass Melbye auch nach 25 Jahren immer noch voller Neugier steckt: „Das Wattenmeer ist weltweit das Ökotop mit der höchsten biologischen Produktion überhaupt. Erneuerung und Vergehen lassen sich hier hautnah miterleben.“

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Bergauf wie ein Feuerwehrmann – mit Rennrad und E-Bike in den französischen Pyrenäen

Radsportfans am Rande der "La Route du Sud" am Col des Tentes in 2208 m ü.d.M. Foto: C. Schumann, 2017
Radsportfans am Rande der "La Route du Sud" am Col des Tentes in 2208 m ü.d.M. Foto: C. Schumann, 2017

Luz Saint-Saveur. Die französischen Pyrenäen gehören mit Bergpässen wie dem 2115 Meter hohen Col du Tourmalet zu den Highlights der Tour de France – mit einem E-Bike wird das Erklimmen der Gipfel auch für Radurlauber zum Genuss.

Die einen sammeln Bergpässe und Höhenkilometer. Die anderen Trikots und Rennräder der unvergessenen Stars der Tour de France. Wie Christian Lafont und Jean-Pierre Souvergielle, die beide weit über ihre Heimat in den französischen Pyrenäen hinaus als Botschafter des Lebensgefühls Radfahren gelten.

Der rasende Feuerwehrmann Lafont wurde 2013 Radweltmeister der Brandlöscher in seiner Altersklasse. Doch erst nach 30 Berufsjahren hat der 60-Jährige aus Luchon kürzlich sein Hobby zum Beruf gemacht und ein Radsportgeschäft eröffnet. „Für mich erfüllt sich damit ein Traum“, sagt der drahtige Vielfahrer, der mehrmals pro Woche schon vor Ladenöffnung 160 Kilometer in den Bergen rund um den Thermalort trainiert.

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Arbeitsplatz mit Aussicht - zu Gast bei der Türmerin von St. Lamberti in Münster

Türmerin Martje Saljé vor dem Aufsteig mit einer Nachtwächterplakette an St. Lamberti. Foto: C. Schumann, 2017
Türmerin Martje Saljé vor dem Aufsteig mit einer Nachtwächterplakette an St. Lamberti. Foto: C. Schumann, 2017

Münster. Wenn Münster Feierabend macht, geht Martje Saljé zur Arbeit. Jeden Abend um halb neun Uhr erklimmt die 37-Jährige genau 300 Stufen hinauf zum höchst gelegenen Arbeitsplatz der westfälischen Universitätsstadt: Seit gut drei Jahren ist die studierte Musik- und Geschichtswissenschaftlerin Türmer in St. Lamberti. Genauer: Türmerin – die erste in der mehr als 600-jährigen Türmergeschichte des ab 1375 als Markt- und Bürgerkirche von Kaufleuten der früheren Hansestadt erbauten Gotteshauses, das am Prinzipalmarkt mitten in Münsters Altstadt liegt. „Dabei gibt es nachweislich schon seit 1383 Türmer auf Lamberti“, sagt Martje Saljé beim Aufstieg, der über enge Wendeltreppen vorbei an der alten Ratsglocke und den berühmten Eisenkäfigen führt, in denen die Leichname der drei Reformatoren Jan van Leiden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling 1536 nach dem Scheitern ihres Wiedertäuferreichs öffentlich als abschreckende Mahnung zur Schau gestellt wurden. Zu Tode gefoltert waren die Abweichler vom rechten katholischen Glauben da bereits.

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„Ich bin so nord“ – Bestellerautorin Dora Heldt im Porträt

Eine Begegnung mit der auf Sylt geborenen Bestsellerautorin Dora Heldt, deren neuer Krimi „Wir sind die Guten“ kürzlich erschienen ist.

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Ruhpolding: Zwischen Butternudeln und Baumgrenze

Ruhpoldinger Klassiker: Konditormeister Wolfgang Heigermoser mit seinen Butternudeln. Foto: C. Schumann, 2017
Ruhpoldinger Klassiker: Konditormeister Wolfgang Heigermoser mit seinen Butternudeln. Foto: C. Schumann, 2017

Ruhpolding. In der Backstube von Wolfgang Heigermoser duftet es verführerisch. In der Luft liegt der Geruch von Schokolade, Zucker, Marmelade und anderen Zutaten für Klassiker wie Prinzregententorte oder Apfelstrudel, die im Café Chiemgau in Ruhpolding zu den beliebtesten Torten- und Kuchengenüssen zählen. Heute soll es im Traditionshaus an der Hauptstraße darüber hinaus aber noch eine lokale Spezialität geben, die in keiner anderen Konditorei des oberbayerischen Ferienortes angeboten wird: Butternudeln.

Das Hefegebäck ist ein echter Geheimtipp. Nur wenige Ruhpoldinger und noch weniger Urlauber wissen überhaupt, dass der 38-jährige Konditormeister das überlieferte Familienrezept auf Wunsch heraussucht – nicht einmal auf der Karte des mehr als 60 Jahre alten Cafés ist die lokale Spezialität zu finden.

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Anders und Anders: Nachhaltige Mode "Made in Sachsen" aus Dresden-Neustadt

"Exx" - das Ladengeschäft der Brüder Anders in Dresden-Neustadt. Foto: PR
"Exx" - das Ladengeschäft der Brüder Anders in Dresden-Neustadt. Foto: PR

Dresden. Hohe Decken, Stuck, Jahrhunderwendecharme – und stilvoll-schlicht ausgestellte Mode für Frauen und Männer. Wer das helle Ladenlokal des "Exx" an der Ecke von Rothenburger Straße und Böhmischer Straße in der Dresdner Neuststadt betritt, wird nicht von aggressivem Zeitgeist eingefangen. Vielmehr wirkt das Angebot zurückhaltend, fast defensiv. Ganz so, wie es den beiden Brüdern Sven und Peer Anders vorschwebt. Schon seit 1997 haben die beiden ihr Geschäfts im Herzen des Szenestadtteils. Denn auch mehr als 25 Jahre nach der Wende zeigt sich Dresden auf der "anderen" Elbseite in der Neustadt immer noch besonders jung und kreativ, voller Energie. Wer die Augustusbrücke von der Hofkirche hinüber zur Hauptstraße und weiter Richtung Alaunstraße geht, betritt eine andere, bunte Welt. Im Szenestadtteil sind Studenten, Künstler, Musiker und Freiberufler in der Mehrzahl.

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