Der "Apostel des Nordens": 1200 Jahre Ansgar in Hamburg, Norddeutschland und Skandinavien

Statue des Hl. Ansgar auf der Trostbrücke in der Hamburger Innenstadt. Foto: Christoph Schumann, 2026
Statue des Hl. Ansgar auf der Trostbrücke in der Hamburger Innenstadt. Foto: Christoph Schumann, 2026

HINTERGRUND Hamburg/Kopenhagen (cs). Als der Benediktinermönch Ansgar im Jahr 826 nach Dänemark aufbrach, war die Christianisierung Skandinaviens ein Wagnis. Heidnische Kulte, fragile Machtverhältnisse und große Entfernungen prägten den Norden Europas. Trotz mancher Rückschläge gilt Ansgar (801–865) bis heute als der „Missionar des Nordens“ – und als Wegbereiter einer Entwicklung, deren Beginn sich in diesem Jahr zum 1200. Mal jährt.

Ansgar stammte aus dem fränkischen Reich, kam vermutlich in Nordfrankreich zur Welt, und kommt mit fünf Jahren ins Benediktinerkloster Corbie. Dort hat der Gläubige wohl 821/822 eine Vision und gründet noch im selben Jahr das Reichskloster Corvey an der Weser. Ansgars erster Missionsauftrag war politisch eingebettet: Kaiser Ludwig der Fromme unterstützte in jener Zeit die Ausbreitung des Christentums auch als Mittel diplomatischer Stabilisierung. Anlass für Ansgars erste Reise nach Norden war die Taufe des dänischen Königs Harald Klak, den Ansgar 826 nach Dänemark begleitete. Der Versuch, das Christentum über den Königshof zu etablieren, scheiterte jedoch bald an Machtkämpfen.

Reisen nach Dänemark und Schweden

Nachhaltiger und einflussreicher wurde Ansgars Reise nach Schweden etwa 830. In Birka, einem zentralen Handelsplatz, traf er auf König Björn, der ihm zeitweise Schutz gewährte – eine der ersten christlichen Gemeinden Schwedens entstand. Dauerhafter Erfolg blieb dennoch aus. Der Widerstand lokaler Eliten und religiöser Traditionen war zu stark. 831 wurde Ansgar zum Erzbischof von Hamburg ernannt, 847 zum Bischof von Hamburg-Bremen, dem Zentrum der Nordmission. Rückschläge prägten Ansgars Wirken: 845 wurde Hamburg von Wikingern zerstört. Ansgar flieht vom Ort, an dem er an der alten Hammburg die erste Kirche hatte errichten lassen. Dennoch reiste Ansgar weiter, verhandelte mit Herrschern wie dem dänischen König Horik I. und dem schwedischen König Olof, und setzte auf beharrliche Präsenz statt Zwang. Sein Nachfolger, Erzbischof Rimbert, verfasste die Vita Anskarii (Leben des Ansgar) und trug so entscheidend zur Überlieferung seines Wirkens bei. Kurz nach seinem Tod wurde Ansgar von Papst Nikolaus I. offiziell heiliggesprochen.

 

Ein asketischer Seelsorger

Überliefert ist Ansgar weniger als politischer Stratege denn als asketischer Seelsorger. Seine dienende Haltung bringt es auf den Punkt: „Ich bitte Gott nicht um Wunder – nur darum, ein guter Mensch zu sein.“ Ansgars Leben war geprägt von Demut, Fürsorge für Arme und Gefangene und der Überzeugung, dass Glauben nicht erzwungen werden kann. Der „Missionar des Nordens“ stirbt am 3. Februar 865. Sein Grab liegt im Dom von Bremen. Die flächendeckende Christianisierung Skandinaviens erfolgte erst Generationen später. Doch Ansgars Bedeutung liegt im Anfang: Er schlug die erste Brücke zwischen Nord- und Mitteleuropa – religiös, kulturell und politisch. „In einer Zeit, in der Europa nach Orientierung sucht, erinnert uns Ansgar daran, dass Glaube Mut braucht: Mut zum Aufbruch, Mut zur Offenheit und den Mut, Frieden zu wagen“, sagt Landesbischöfin Kristina Kühlbaum-Schmidt von der Nordkirche, die gemeinsam mit dem Erzbistum Hamburg und der dänischen Folkekirke den Jahrestag feiert.

 

Einige Höhepunkte des Ansgar-Jahres 2026

Viele Feierlichkeiten zum Ansgar-Jahr begehen die Kirchen im Norden gemeinsam. In den kommendebn Tagen feiern Erzbistumg Hamburg und die Ev.-luth. Kirche in Norddeutschland die Sankt-Ansgar-Woche mit Gottesdiensten, der 60. Ökumenischen Vespern, Vorträgen u.a. (www.ansgarwoche.de; nordkirche.de/veranstaltungen). Ein Höhepunkt in Dänemark ist der Festgottesdienst im Dom von Ribe am 24. Mai (folkemodeiribe.dk). Bereits am 13. Mai werden Pilger auf den Spuren Ansgars von Haithabu in Schleswig nach Ribe auf den Spuren Ansgars auf dem Jakobsweg gehen (https://www.kirken.de/begivenhed/13-5-2026-ansgar-camino-fra-hedeby-til-ribe-1-99826). Im Schleswiger Dom gibt es dazu am 29. August einen Pilgertag. Das Wikingermuseum in Haithabu veranstaltet am 9. Mai einen Studientag zum Thema „Ansgar, der erste echte Europäer“ (evangelische-akademien.de/veranstaltung/ansgar-der-erste-echte-europaeer). Das schwedische Birka lägdt u.a. am 30./31. August zum Ansgar-Wochenende „Nordens Apostel på Birka“ mit Vorträgen, Führungen etc. zum Wirken des Missionars. Die beste Übersicht zu Leben und Reisen Ansgars sowie zu Terminen und Hintergründen des Jubiläumsjahres 2026 bietet www.ansgar2026.de