
NEWS Ribe/Südjütland (cs). Dänemarks älteste Stadt zeigt sich in neuem Licht. Genauer: in weniger Licht. In einer mehrwöchigen Testphase konnten Einwohner und Besucher von Ribe in Südjütland
jetzt eine neue Beleuchtung der historischen Altstadt rund um den im 13. Jahrhundert eingeweihten Dom erleben. Dazu setzte die dänische Lichtdesignerin Iben Winther Orton vom Designkollektiv
Lightscapes in Snekkersten, das im Sommer letzten Jahres von den zuständigen Kommunalverantwortlichen den Zuschlag für das Projekt erhalten hatte, zunächst ausgewählte Bereiche rund um das
Gotteshaus in eine neue Beleuchtung. Ziel war es, mit möglichst engem Praxisbezug eine klare Einschätzung davon zu erhalten, wie Licht im Stadtraum wahrgenommen wird – sowohl in unmittelbarer
Nähe der Kathedrale wie beim Blick aus der Ferne.
Lichtdesign innerhalb der Testphase mehrfach angepasst
Denn die neue Illumination der mittelalterlichen City von Ribe soll zwar die Architektur der fünfschiffigen Kirche besser als bisher in Szene setzen, das Bauwerk sowie die angrenzenden Gassen und Gebäude aber auch als bewahrenswertes Ensemble hervorheben. Der Fokus der Arbeit in den vergangenen Wochen lag deshalb unter anderem darauf zu erkennen, wie die Strukturen und Farben des Mauerwerks im modernen Kunstlicht zur Geltung kommen – und welche Elemente des Doms zu Ribe auf natürliche Weise die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Deshalb wurde die Leuchtgrafik in der Testphase mehrfach angepasst, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. „Die Testbeleuchtung war ein wirklich gelungener Prozess. Wir hatten die Gelegenheit, direkt mit unserem Licht in der tatsächlichen Umgebung zu arbeiten und dabei sowohl den gestalterischen Ausdruck als auch die Technik feinzujustieren. Gleichzeitig erhielten wir wertvolles Feedback von Bürgern, die ihre Eindrücke und Erfahrungen während des Versuchs mit uns teilten“, sagt Lichtdesignerin Iben Winther Orton zum Zwischenstand.
Ribe liegt in Dänemarks jüngstem Dark Sky Park
Das auch bei Touristen beliebte Stadtzentrum von Ribe wird heute mit Rücksicht auf das kulturelle Umfeld bewusst zurückhaltend beleuchtet – ein Prinzip, das zum einen aus Respekt vor der historischen Architektur nun noch stärker berücksichtigt werden wird. Hinzu kommt zum anderen, dass Ribe am Rande von Dänemark neuestem Dark Sky Park und der Wattenmeerinsel Mandø liegt: Die Lichtverschmutzung des urbanen Raums soll darum ebenso wie die der nahen Hafenstadt Esbjerg deshalb nachts zugunsten eines klareren Himmels deutlich zurückgenommen werden. Die kommende neue Beleuchtung von Ribe muss daher unter Berücksichtigung sowohl des nationalen kulturhistorischen Werts als auch der besonderen Gegebenheiten vor Ort abgestimmt werden. Schon jetzt steht fest, wie Helligkeit, Farbtöne von Dom und Häusern, Filter von Leuchten sowie das Zusammenspiel von Licht und Materialien bald besser harmonieren könnte. Weitere Informations- und Dialogveranstaltungen zwischen Bürgern, Politikern und Lichtdesignern folgen in den nächsten Wochen. Mit der Fertigstellung und Einweihung von Ribes endgültiger neuer Stadtbeleuchtung wird für das erste Halbjahr 2027 gerechnet.
Copyright Text: Christoph Schumann, Hamburg, Mai 2026
