Ein Bilderpoet des dänischen Wattenmeers – ein Besuch beim Fotografen Lars Roed in Ribe

Der dänische Fotograf Lars Roed in seiner Galerie in der Altstadt von Ribe, Dänemark. Foto: Christoph Schumann, 2025
Der dänische Fotograf Lars Roed in seiner Galerie in der Altstadt von Ribe, Dänemark. Foto: Christoph Schumann, 2025

REPORTAGE PORTRÄT Ribe/Mandø (cs). Wer mit Lars Roed auf nächtliche Fotosafari geht sieht manchmal nichts. Oder besser: fast nichts. Mühsam suchen unsere Augen nach hellen Punkten am Himmel, als wir an diesem Herbstabend gemeinsam mit dem dänischen Fotografen an der Wattenmeerküste stehen. Der 50-Jährige hat Stativ und Kamera nahe dem Deich aufgebaut, von dem aus der Ebbeweg hinüber nach Mandø führt. Hier, wo tagsüber die beliebten Traktorbusse mit Touristen bei Niedrigwasser ihren Weg durchs Wasser hinüber zu Dänemarks kleinster Nordseeinsel starten, wollen wir mit dem Fotoprofi auf Dark-Sky-Safari (s. Infokasten) gehen und lernen, wie man den klaren Sternenhimmel und den Vollmond am besten auf eindrucksvollen Aufnahmen festhält. Wenn da nicht die durchgehende Wolkendecke wäre …

Fotos als mentale Bilder

„Unsere Augen müssen sich erst an die Dunkelheit anpassen“, sagt Lars Roed, während er seine Stirnlampe als letztes Kunstlicht ausschaltet. „Dann beobachten wir einmal genauer.“ Tatsächlich tauchen nach wenigen Momenten am Horizont schwache Lichter auf. „Das sind Häuser auf Mandø“, so Roed, der aus dem wenigen Kilometer entfernten Hviding stammt. Weiter zur Rechten leuchtet deutlich heller die Hafenstadt Esbjerg. Nur der Himmel über uns bleibt dunkel. Kein Stern ist durch die Wolken zu sehen, die der böige Wind von Westen treibt. „Hier steht der Nordstern, dort drüben könnte die Milchstraße zu sehen sein“, Lars Roed zeigt auf eine Sternenhimmel-App auf seinem Handy. Technische Hilfsmittel sind auch für Experten unentbehrlich. Doch an diesem Abend helfen auch sie uns nicht. Wie beeindruckend der nächtliche Himmel im dänischen Wattenmeer sein kann, erleben wir darum später – und ›nur‹ auf einigen der beeindruckenden Fotos, die Roed in seiner Galleri Vadehavet in Ribe ausstellt und verkauft. Tausende Sterne erstrahlen vor der dunklen Kulissen von Meer und Mandø, von Watt und Deichen. „Meine Fotos sind mentale Bilder“, beschreibt der Familienvater seine Motivation. „Ich jage die Ruhe meiner Heimat. Die Stille und Tiefe von Wattenmeer und Marsch.“

 

Die Schönheit der Veränderung

Wenn man das Wattenmeer kennt, sein Spiel von Licht, Wind und Gezeiten, dann versteht man, warum Lars Roed es nie verlassen wollte. „Die Natur hier ist nie die gleiche. Jede Minute verändert sich das Licht, die Struktur, die Stimmung“, findet der gelernte Grafikdesigner, der nach einem Burnout und Auszeit vor wenigen Jahren sein einstiges Hobby Fotografie zum Beruf gemacht hat. In seinen meist großformatigen Bildabzügen auf Papier, die alle auf maximal dreißig Abzüge begrenzt sind, hält Roed genau diese flüchtigen Momente fest – das magische Zwielicht, den stillen Atem der Landschaft, den Übergang von Ebbe zu Flut. „Die stärkste Kraft liegt für mich in Morgen- und Abenddämmerung“, so Roed, der die Goldene und Blaue Stunde liebt. In diesen eineinhalb Stunden entstehen die meisten seiner Langzeitbelichtungen mit tiefem, fast rotem Orange als wiederkehrendem Farbspiel. Roeds Bilder sind leise, fast meditativ – und zugleich kraftvoll. Sie zeigen das Wattenmeer nicht als romantisches Idyll, sondern auch als lebendiges, atmendes Ökosystem. „Ich sehe Schönheit in der Veränderung“, so Roed, dessen Fotorevier von der deutsch-dänischen Grenze bis zum Urlaubsort Blåvand reicht. „Man kann nie zweimal dasselbe Bild machen. Das Wattenmeer lebt.“ Roeds künstlerischer Stil ist geprägt von Geduld und Präzision. Er wartet oft stundenlang auf das richtige Licht, den perfekten Moment, in dem sich Himmel und Erde für einen Augenblick begegnen.

 

In wenigen Jahren viele Auszeichnungen

Obwohl erst wenige Jahre Profi, gehört der ruhige Roed inzwischen zu den bekanntesten Landschaftsfotografen des Königreichs. Seine Arbeiten sind regelmäßig in Ausstellungen und Kunstgalerien landesweit zu sehen. Auch Preise erhielt der Wattenmeerfotograf schon mehrere, sowohl national wie international. Darunter sind die Auszeichnung „European Photographer“ der Federation of European Professional Photographers, den Titel „Best of Nation“ beim World Photographic Cup oder diverse Preise von Dansk Fotografisk Forening in den Kategorien „Natur & Dyr* (Natur und Tiere). Die Titel unterstreichen Roeds technische Ambitionen einer-, vor allem aber die Fähigkeit des Dänen, Emotion und Atmosphäre in präzise komponierte Bilder zu übersetzen. Am Ende folgt die künstlerische Nachbearbeitung am Computer – da zeigt sich der gelernte Grafiker.

Neben seiner eigenen künstlerischen Arbeit engagiert sich Lars Roed auch als Vortragshalter, Lehrer und Mentor. In seiner Galerie und draußen im Watt bietet Roed regelmäßig Fotokurse und Workshops an – etwa über Landschaftsfotografie, Bildgestaltung und die Arbeit mit Licht in der Natur des Nationalparks Vadehavet. In den kommenden Wintermonaten steht das Thema Dark Sky dabei an erster Stelle. Dort lernen die Teilnehmer nicht nur fotografische Techniken, sondern auch, die Landschaft intensiv wahrzunehmen. Eine Haltung, die Roed selbst zur Kunstform erhoben hat. „Das Wattenmeer ist wie ein Spiegel“, sagt Roed. „Wenn man still genug wird, sieht man nicht nur die Landschaft, sondern auch immer sich selbst darin.“

 

HINTERGRUND

Die nur rund acht Quadratkilometer große Wattenmeerinsel Mandø ist seit 2024 offizieller „Dark Sky Park“ wegen ihrer außergewöhnlichen Nachtlandschaft mit wenig Lichtverschmutzung. In Dänemark sind darüber hinaus nur die Inseln Møn und Nyord sowie Anhalt in der Ostsee als Dark Sky-Spots ausgewählt. Auf Mandø leben nur etwa 30 Einwohner ganzjährig fest. Hinzu kommen wenige Urlauber und Tagesgäste. Zurzeit erfolgen weitere Anstrengungen auf Mandø selbst, aber beispielsweise auch im nahen Esbjerg, um das menschlich gemachte Kunstlicht weiter zu dimmen und so die nächtliche Sicht zu verbessern. Aktivitäten rund um das Betrachten des nächtlichen Sternenhimmels und der Milchstraße sollen so noch erleichtert werden. Jetzt im Herbst und im Winter sind die besten Jahrezeiten, den Dark Sky auf Mandø zu erleben.

 

Mehr Infos auf www.vadehavskysten.de/ribe-esbjerg-fano/ribe-esbjerg-fano/dark-sky-park-mando und auf www.darksky.org

 

Die Galerie des dänischen Fotografen Lars Roed liegt in der Dagmarsgade 9, 6760 Ribe, photosbyroed.dk

 

Allgemeine Reiseinformationen zur dänischen Region Wattenmeer gibt es auf www.vadehavskysten.de

 

Copyright: Text und Foto Lars Roed: Christoph Schumann, Hamburg, Oktober 2025

 

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Dark Sky – der nächtliche Sternenhimmel über dem dänischen Wattemeer unweit der Insel Mandø. Foto mit freundlicher Genehmigung: Lars Roed, Ribe/PR
Dark Sky – der nächtliche Sternenhimmel über dem dänischen Wattemeer unweit der Insel Mandø. Foto mit freundlicher Genehmigung: Lars Roed, Ribe/PR