
NEWS BRANCHE FERIENHAUSURLAUB Kopenhagen (cs). Dänemark besitzt zu wenige Ferienhäuser. Das jedenfalls finden zahlreiche Bauherren und Investoren, aber auch führende Ferienhausvermittler und Branchenvertreter. Rund 200.000 der beliebten Freizeitdomizile gibt es bei unseren nördlichen Nachbarn – eine Zahl, die seit Jahren fast unverändert bleibt (s. Hintergrund). Urlaub in einer der meist strand- und meernah gelegenen Unterkünfte erfreut sich aber nicht erst seit der Corona-Pandemie immer größerer Beliebtheit: Von den insgesamt 66 Millionen Übernachtungen, die Dänemark im vergangenen Jahr zählte, entfielen mehr als Millionen allein auf die meist privaten Ferienhäuser. Und die Nachfrage steigt weiter: Laut dänischem Statistikamt in Kopenhagen gab es allein im Januar bereits mehr als zwei Millionen Übernachtungen – ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Januar 2025. Und die Buchungen fürs Reisejahr 2026 lagen bereits im November zwei Prozent höher als zuvor.
Nachfrage nach Ferienhäusern in Dänemark wächst
Doch die wachsende Nachfrage nach Entspannung im individuellen Ferienhaus an dänischer Nord- oder Ostsee stehen lediglich rund zweitausend neue Häuser gegenüber, die in den letzten fünf Jahren gebaut wurden. Denn die Hürden für Genehmigung und Bau neuer Urlaubsrefugien sind in Dänemark hoch. Regelmäßig entzünden sich deshalb Auseinandersetzungen zwischen investitionswilligen Bauträgern sowie Behörden und Naturschützern. Denn die dänische Fläche ist begrenzt. Vor wenigen Tagen berichtete das öffentlich-rechtliche Medium Danmarks Radio (DR) von einem Fall in Nymindegab in Westjütland: Dort wollten Einheimische auf einem Grundstück im zwischen Ringkøbing Fjord und Nordsee gelegenen Ort vierzig Ferienhäuser neu errichten, um „die Gegend zu entwickeln und Nymindegab wiederzubeleben, damit Gäste hier Halt machen und bleiben. Wir werden ja regelrecht entvölkert“, so der Wunsch der Planer.
Naturschützer: Dänsiche Natur erhalten
Das zuständige Ministerium für Stadtentwicklung, Land und Kirche in Kopenhagen lehnte das Ferienhausprojekt in der Provinz jedcoh ab, da das Gebiet laut Ministerium „von besonderem landschaftlichem Interesse und erhaltenswert“ sei – bisher wird die Fläche landwirtschaftlich genutzt. Ähnlich erging es zuletzt anderen Neubauvorhaben, die mit Hinweis auf Bedenken hinsichtlich des Natur- und Küstenschutzes auf Eis gelegt wurden, obwohl die derzeit noch geschäftsführende Regierung unter Ministerpräsidentin Mette Frederiksen noch 2024 einen Vorschlag vorgelegt hatte, den Bau neuer Ferienhäuser entlang der rund 7000 Kilometer langen Küste fördern zu wollen. Dagegen beklagt der Branchenverband der dänischen Ferienhausvermittler schon seit Jahren eine fehlende Kapazität an vermietbaren Häusern: „Wir reden immer davon, den dänischen Tourismus ausbauen zu wollen. Dazu hätten wir aber auch mehr neue Ferienhäuser bauen müssen. Das ärgert mich natürlich“, so Pernille Kofod Lydolph, die Direktorin vom Branchenverband Feriehusudlejernes Brancheforening zu DR. Die große Nachfrage deutscher Urlauber bestätigt Sebastian Rehn von der Ferienhausvermittlung Kröger + Rehn in Hamburg auf Nachfrage unserer Zeitung. Rund 40.000 dänische Domizile hat die Agentur im Angebot. Dennoch sieht Rehn das größte Problem nicht im Bau weiterer Häuser: „Letztlich ist nämlich die Zahl der Ferienhäuser, die vermietet werden, seit langem konstant. Da liegt meiner Meinung nach das eigentliche Problem: Warum gelingt es der Branche nicht, mehr Eigentümer davon zu überzeugen, ihre Häuser für Gäste anzubieten? Aus der Verzweiflung heraus nun zu fordern, es müssten viel mehr Häuser gebaut werden, sehe ich kritisch“, so der Kenner. Mehr Angebot steigere die Attraktivität nicht zwangsläufig. Gewinnbringender sei es, ältere Häuser, die nicht mehr Standard und Wünschen heutiger Reisender entsprechen, durch moderne Qualitätshäuser zu ersetzen.

"Die da in Kopenhagen"
„Die sitzen da drüben in Kopenhagen, zeigen auf eine Karte und haben nicht die geringste Ahnung“, klagte dagegen Søren Rotbøl Jepsen von der Bürgervereinigung in Nymindegab. Und Landbesitzer Ove
Nielsen ergänzt: „Es wird unsere Natur nicht zerstören, wenn hier vierzig Ferienhäuser statt eines Maisfelds stehen.“ Doch das Problem um konkurrierende Interessen auf Immer weniger zur Verfügung
stehende Fläche ist im kleinen Dänemark noch größer als hierzulande. So konkurrieren Landwirte mit Betreibern von Solar- und Windkraftparks, Naturschützer mit Bauwilligen, die Freizeit- oder
Ganzjahreshäuser errichten wollen. „Wir müssen in unseren Küstenregionen und ländlichen Gebieten auch andere Aspekte als rein ökonomische berücksichtigen. Es geht vor allem um die Natur und ihre
Qualität, die wir bewahren wollen. Daher stehen die Regierung, das dänische Parlament und auch einige Gemeinden der Idee, die Küstenzone mit Ferienhäusern zuzubauen, sehr skeptisch gegenüber“, so
Anne Mette Hjalager, Tourismusforscherin von der Süddänischen Universität zu DR. Die für Nymindegab zuständige Kommunalverwaltung in Varde will das geplante Ferienhausvorhaben gleichwohl in einem
dritten Anlauf voraussichtlich genehmigen.
HINTERGRUND
Dänemarks Ferienhäuser in Zahlen
Insgesamt standen 2021 in Dänemark genau 218.788 Sommerhäuser, wie die beliebten Unterkünfte auf Dänisch heißen, belegen Zahlen des zuständigen Amts Danmarks Statistik. In den letzten fünf Jahren
kamen nur rund 2000 neue hinzu – aktuell zählt die Statistikbehörde 220.931 der meist privaten Urlaubsunterkünfte. Das entspricht einer Steigerung von knapp einem Prozent. 2025 buchten deutsche
Touristen rund 21 Millionen Ferienhausübernachtungen in Dänemark.
Copyright Text: Christoph Schumann, Hamburg, April 2026
